Vivace
von
Henner Kotte
ISBN 9783942025102, Flexibler Einband, 260 Seiten, aus der Reihe 1, Gegenwartsliteratur, Erscheinungsdatum:
bei fhl Verlag Leipzig
Vivace von Henner Kotte - Inhaltsangabe
Es ist ein echtes Ganoven-Buch. Auch wenn es sich nicht so liest. Kriminalromane, in denen die Handlung aus Sicht der Täter beschrieben wird, gibt es schon einige. Die faszinierendsten aus der Feder von Patricia Highsmith. Und ein wenig tritt der MDR-Literaturpreisträger von 1997 in die Fußspuren der großen alten Crime-Ladie. Mit einem wichtigen Unterschied: Während ein Mr. Ripley ein durchaus gewieftes Exemplar von Mitmensch ist, ausgebufft und hoch intelligent, taucht Kottes Held ein in die Welt des Klein-Ganoventums, der Diebe und Hehler. Sein Held ist keine wirkliche Leuchte, ein armes Schwein eher, ohne richtigen Job, ohne große Aussicht, einen zu bekommen. Doch was an gloriosen Aussichten fehlt, ersetzt er durch kühne Heldentum. In seiner Sprache zumindest. Einer Sprache, die Felsen umwerfen kann, Riesen einschüchtern und Hoffnung macht auf das große Irgendwann. Eine malerische Sprache, trotz aller Knappheit. Hingebrockt, als gelte es, wie ein Western-Held mitten auf die staubige Straße zu schreiten - und dann ... Das ist halt das Problem. Dann kommen die ganz gewöhnlichen Dinge des Lebens, die Liebe, die Kneipen-Freundschaft, der besoffene Vater, der Nervenkitzel beim nächsten Bruch. Und auch auf Seite 100 kein Polizist. Das vergisst man ja zuweilen, dass fast 50 Prozent aller Straftaten nie aufgeklärt werden, dass die Netzwerke der Diebe und Hehler fleißig arbeiten, während Max Mütze brav im Bett liegt. Dass auch auf Kottes Held das Unverhoffte lauert, ist nicht einmal ein Trick. Eher ein Stück ganz banales Leben. Aber wie das so ist mit dem banalen Leben: Man sollte sich nicht allzu sehr darauf verlassen.
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