Leser-Rezension zu „Liebesbriefe an Hoki Tokuda Miller” von Henry Miller
am 12.07.2007
Nie hätte ich nach der Lektüre von Opus Pistorum gedacht, dass Henry zu so schönen, romantischen und tiefgehenden Gedanken fähig ist.
In dem Buch sind nur die Briefe Henry Millers veröffentlicht, die Antworten von Hoki fehlen (aber sie scheint ihm ohnehin wenig geschrieben zu haben). Zu Beginn des Briefwechsels, 1976, ist Henry Miller 75, und Hoki ist knapp 30. Miller verliebt sich auf den ersten Blick hoffnungslos in Hoki, der Altersunterschied und die kulturellen Unterschiede - Hoki stammt aus Japan - machen die Beziehung zwischen den beiden umso interessanter. Während Miller in seinen Briefen sein Innerstes offen legt, scheint Hoki ihm jedoch die kalte Schulter zu zeigen. Trotzdem heiraten die beiden, uns auch während der Ehe schreibt Henry ihr weiterhin Briefe, die ebenfalls im Buch zu finden sind. Das Buch bietet außerdem einige Fotos von Hoki und H. Miller, sowie einige Aquarelle Millers.
Ich kann mich nicht entscheiden, ob diese Briefe ein letzter verzweifelter Versuch eines alten Mannes sind, noch einmal zu lieben und geliebt zu werden (oder einfach nur "zum Schuss" zu kommen), oder ob Hoki für Miller tatsächlich die große Liebe zu war. Leider erfährt man ja auch nicht ihre Sicht der Dinge. Trotzdem finde ich die Briefe bezaubernd, sehr berührend und inspirierend.

