Leser-Rezension zu „Wendekreis des Krebses” von Henry Miller
am 31.07.2009
Ganz klar einer meiner persönlichen Favoriten, ein Buch, welches gnadenlos die billige Fassade der Außenwelt zerschlägt und dessen wahres, hässliches Gesicht aufzeigt. Ein Buch voll von auf den ersten Blick total durchgeknallten Gedanken, die jedoch schonungslos das wahre Wesen des Menschen enthüllen, ein Buch voll von erst obszön wirkenden Passagen, die jedoch in Wirklichkeit von einer unerreichbaren Poesie erfüllt sind. Ein Buch, welches zynisch scheint und sicherlich auch zynisch ist, doch welches auch das Leben bejaht, das ungehemmte Leben, körperlich und geistig. In einer spießigen, zerfallenden Welt schlagen die Gedanken Millers ein wie eine Bombe, fegen die Scheinheiligkeit beiseite und erfüllen einen mit einem Gefühl der wahren Menschlichkeit. Zwar ist der Gedankengang teilweise etwas schwierig zu lesen, dafür wird man jedoch vom oftmals auftauchendem, meist sehr derbem Humor entschädigt, auch die Aktualität dieses Werkes hat sich auch heute meiner Meinung nach nicht gesenkt. Im Großen und Ganzen ein Beweis dafür, dass autoniographische Aufzeichnungen, sofern diese den gesamten genialen Geist des Autors wiederspiegeln können, weitaus interessanter und erfüllender sein können als die meisten fiktiven Geschichten, denn in diesem Buch ist es das ungefilterte Leben, was durch die Seiten sickert, unverfälscht und ehrlich, die Beichte eines freien Menschen.

