Leser-Rezension zu „Die Nacht ist aus Tinte gemacht” von Herta Müller
am 24.11.2010
In Die Nacht ist aus Tinte gemacht erzählt Herta Müller von ihrer Kindheit im rumänischen Banat. Müller wuchs in einem winzigen Dorf als Kind deutschstämmiger Bauern auf. Sie erzählt ihr Leben in kurzen Episoden unsentimental und mit vielen orgininellen Bildern und Beobachtungen. Ihre Kindheit ist von Gewalt geprägt, körperliche Gewalt ist an der Tagesordnung, aber auch der katholische Glaube mit der Konzentration auf Sündhaftigkeit wird als Gewalterfahrungen beschrieben. Das Leben der bäuerlichen Kinder bestand vor allem aus Arbeit, gespielt wurde selten, wie Müller bemerkt. Angst gehört zu den häufigen Erfahrungen des Kindes Herta Müller, sie hatte Angst vor dem Tod aber auch die Natur erscheint ihr bedrohlich. Sie zieht daraus, den erstaunlichen Schluss, dass ihre kindliche Ängstlichkeit sie perfekt auf den psychischen Terror des sozialistischen Regimes vorbereitet hat. Lange bevor rumänische Geheimdienstler sie bedrohten, kennt sie die Angst.
Herta Müller lässt eine Welt wieder auferstehen, die es nicht mehr gibt. Athmosphärisch dicht beschriebt sie das Leben der Barnater Schwaben, eine der deutschen Minderheiten in Rumänien. Müller liest ihre Geschichten nicht vor, sondern erzählt sie. Das gibt diesem Hörbuch eine besondere Intimität. Den manchmal sehr klagenden, schleppenden Tonfall ihrer Stimme nimmt man dafür gerne in Kauf.
Für mich war dieses Hörbuch der perfekte Anreiz mich intensiver mit dem Werk von Herta Müller zu beschäftigen.

