Leser-Rezension zu „Herztier” von Herta Müller
am 8.11.2009
Das Nobel-Komitee wird ja oft kritisiert, gerade wenn es um Literatur geht. Ob zu Recht oder nicht, mag ich nicht beurteilen. Fest steht aber, dass in diesem Jahr eine Schriftstellerin gewonnen hat, die es wert ist, von vielen Menschen gelesen zu werden. Ich wählte zum Einstieg Müllers "Herztier". Die "Atemschaukel" fliegt zwar irgendwo auf meiner Festplatte herum, aber mit elektronischen Büchern kann ich nicht viel anfangen.
Deshalb also "Herztier". Die Geschichte von vier Studenten im Rumänien der 80er Jahre. Terror, Bespitzelung, Selbstmorde. Am Anfang wurde mir etwas bang ums Herz, denn auf den ersten Seiten liest man Wörter, von denen man meint, sie gehörten da nicht hin und man verstände rein gar nichts. Dem ist aber nicht so. Bald wird klar, was anfangs unverständlich schien und man versteht Metaphern und Hintersinn.
Die Sprache ist knapp aber präzise. Kurze Sätze, aneinandergereiht wie eine Kette. Mit einer ganz eigenen Melodie. Die Figuren konnten mir die Atmosphäre des damaligen Rumänien überzeugend vermitteln, Emotionen wirken glaubwürdig, nichts überzeichnet oder konstruiert.
Da muss ich mich bei diesem Nobel schon bedanken, denn sonst hätte ich das Buch vermutlich nie gelesen. Und das wäre wirklich ein Jammer.

