Leser-Rezension zu „Die japanische Couch” von Hideo Okuda
am 7.08.2009
SMS protkollierte Erstkonsultation eines Handjunkies bei seinem Neurologen Dr. Irabu:
„Bin jetzt im Keller. Unheimlich hier“
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„Jemand hat „Hereinspaziert“ gesagt. Mir wird mulmig."
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„Der Arzt sieht aus wie ein Nilpferd“*
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„Bekomme auf einmal eine Spritze. Würg!“
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„Eine Krankenschwester mit Riesentitten. Kann fast bis zum Bachnabel sehen. Echt geil!"
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„Wahnsinn! Ich kann ihr Höschen sehen. Kein Scheiß!“
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„Mist! Der Doc hat meine SMS gelesen!"
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Auf den ersten Blick erschrickt wohl jeder vor dem japanischen „Psycho-Vogel“ Dr. Irabu. Den fünf Patienten, die ihn dieses Mal konsultieren ergeht es jedenfalls so. Der kauzige Doc hat sich absolut nicht verändert. Ohne Vitaminspritze läuft bei ihm gar nichts, meist sieht er ungepflegt aus und er bräuchte wohl dringend Beratung in Ernährungs- und Modefragen.
Aber gut ist, was dem Patienten nützt und das ist bei Dr. Irabu Programm. Statt des üblichen Spekulierens über den Mechanismus der Seele, vertraut er auf seine ganz eigenen, meist praktisch orientierten Behandlungsmethoden. Auf traditionell therapeutische Maßnahmen pfeift der Ausnahme-Neurologe, der noch bei seiner Mama lebt und einen quitschegelben Porsche fährt.
„Fragen nach Kindheitserlebnissen oder Charaktereigenschaften und so weiter, das meinen Sie doch? Alles Quatsch! Da kann man ohnehin nichts mehr daran ändern, auch wenn ich noch soviel darin herumstochere.“
Dr. Irabu therapiert in den fünf Kurzgeschichten einen Schwimm- und einen Handyjunkie, eine Dauererektion, eine Narzisstin und einen Patienten mit habituellem Vergewisserungszwang. Dabei geht er seinen Patienten nach dem altbewährten Muster ziemlich auf den Geist, aber zum Ende der jeweiligen Kurzgeschichte, hat der Patient sein Seelenheil zurück oder aber er hat den Umgang mit seinem Problem erlernt. „Die japanische Couch“ ist der etwas andere Arztroman, sehr zu empfehlen für alle Hobby- und Hausfrauenpsychologen mit abgefahrenem Humor. Für mich hat sich der erneute Abstieg in den stickigen Keller der Irabu Poliklinik auf alle Fälle gelohnt. Die flott geschriebenen Geschichten machen Spaß. Ein Sternchen ziehe ich für ihre Vorhersehbarkeit ab. Sollte ein „Fortsetzungsbesuch“ in der Praxis von Dr. Irabu möglich werden, wünsche ich mir ein bisschen mehr Überraschungsmomente, Abwechslung und dass die mürrische Krankenschwester öfter zu Wort kommt.

