Leser-Rezension zu „Tokyo Love” von Hitomi Kanehara

Rezension als hilfreich gekennzeichnet: (3)

Kittie Kittie
Verfasst von Kittie
am 7.11.2011
 

Review:

Ich glaube wir machen es hier kurz: der Covertext liest sich spannender und aufregender als das ganze Buch.

Dabei kann ich aber nicht sagen, dass das Buch bzw. die Geschichte schlecht sei. Man erwartet aber eben nur eine etwas andere Geschichte mit mehr Sex und Gewalt. Und gerade wenn so etwas aus Japan kommt bzw. von einer japanischen Schriftstellern, darf man da mehr erwarten. Man kennt da von den Japanern ganz andere Dinge und ist auch schon dran gewöhnt und dann kommt hier diese recht handzahme Geschichte daher. Ist zwar jetzt schon acht Jahre alt, aber selbst 2003 war man doch schon etwas weiter.

Kann da auch nicht ganz nachvollziehen, warum dieses Buch so ein Hit ist. Lui ist ein junges japanisches Mädchen, welches eine Beziehung mit einem Punk führt, vor hat sich die Zunge spalten zu lassen und später dann sich ein Rückentattoo machen lässt. Als Bezahlung gibt es Sex. Das ist nun nicht so ungewöhnlich - sowas kommt ab und an mal vor. Da ist noch nichts Schockierendes dabei. Für den ein oder anderen Leser könnte es vlt. ungewöhnlich sein, dass Shiba-san Lui die Hände fesselt und sie weinen muss, damit er seinen Spaß am Sex haben kann. Hat jeder nun mal so sein Ding und es wird nicht mal explizit ausgeführt. Mir kommt es dabei eher so vor, als habe Kanehara-san ein paar SM-Klischees zusammengewürfelt und mal mit in ihre Geschichte eingebaut. Hätte sie mal mehr nehmen sollen oder das Ganze etwas besser ud ausführlicher verbauen sollen, dann hätten SMler was mit anfangen können, aber so wie es ist, werden sie keine Befriedigung drin finden. Da gibt es einfach bessere Geschichten, die einen mehr geben. Porno-Creeps werden auch keine Freude dran finden, denn die paar Sexszenen sind nicht explizit genug. Und dem normalen Erotik-Leser ... weiß ich auch nicht genau, aber dem wäre es vielleicht auch zu wenig oder der würde sich an dem Drum-herum stören, denn ein kleiner Thriller mit Mord und Totschlag läuft nebenbei auch noch ab.

Tattoos und Piercings sind auch ein großer Bestandteil der Geschichte und manche hängen sich daran in ihren Kritiken ziemlich auf. Ist doch auch nichts Außergewöhnliches mehr. Vielleicht noch für eine kleine Handvoll, die da noch keine bis kaum Berührungspunkte mit haben bzw. hatten. Nun sind aber Tattoos und Piercings schon seit Jahren ziemlich im Mainstream vertreten. Also warum sollte man das gerade in 'Tokyo Love' nun so feiern?

Ansonsten ist ein bisschen Sozialkritik und Kritik an der (eigenen) Konsumgeilheit mit dabei, aber auch nur daran wird ein wenig gekratzt und auch noch an ein paar anderen Dingen, aber ich möchte euch hier nicht das komplette Buch zerpflücken. Ansonsten lässt es sich gut und schnell weg lesen. Gibt einen nur eben nicht viel. Und wie sagte die Internetradio-Moderatorin Pestfloh (Zombiestation.de) zu mir - "Es ist Klolektüre." - und damit trifft sie es ziemlich genau. Es ist ein Buch zum Nebenbei-Lesen. Wenn man Bock drauf hat, kann man es mal mitnehmen.

Mehr bleibt dann auch nicht mehr zu sagen - außer vielleicht noch, dass dieses Buch 2008 von Yukio Ninagawa verfilmt wurde. Gibt es allerdings nur auf DVD in Japan oder Thailand unter dem Titel "Snakes and Earrings". In unseren Landen kennt man sie wohl eher aus Filmen wie "Cyborg She" oder "Gantz - Spiel um dein Leben".

 

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Tokyo Love Tokyo Love
Hitomi Kanehara

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Tokyo Love
von Hitomi Kanehara

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