Ein Mädchen. Ein Elfenritter. Ein dunkles Geheimnis.
Bei diesem Buch hat mich das Cover angesprochen. Diese neonfarbenen Schmetterlingsflügel auf dunklem Grund finde ich noch immer sehr schön. Die Inhaltsangabe klang vielversprechend, ich wurde jedoch enttäuscht.
Die Heldin Kaye ist wohl eine typische Antiheldin. Mit vierzehnt schmeißt sie die Schule. Mit sechzehnt raucht, trinkt und klaut sie. Sie wächst mit ihrer trinkenden, rauchenden Mutter auf, die mit ihrer Band mal hier und mal dort wohnt. Man könnte sie also durchaus als Unterschichtenkind bezeichnen. Die Idee einer solchen Heldin fand ich ganz zu Anfang noch interessant. Allerdings will so gar keine Sympathie für die gute Kaye aufkommen und das zieht sich bis zum Ende hin. Zwar wirkt Kaye mit der Zeit etwas positiver, allerdings nie wirklich nett.
Roiben war für mich der typische fantasy Boypart. Gutaussehend, innerlich irgendwie gebrochen und leicht unglücklich, sofort in Kaye verschossen. Eine unglückliche Existenz, die nur danach schreit glücklich zu werden. In seinen Handlungen ist er aber, wie alle Charaktere, inkonsistent, wechselhaft und kaum zu verstehen.
Zu den Nebencharakteren will ich nicht viel sagen. Sie sind alle sehr ungenau beschrieben, erhalten keine wirkliche Persönlichkeit und können den Leser auch nicht in ihren Bann ziehen.
„Und wer bist du, Schwarz oder Weiß?“ (S. 65), diese Frage lässt sich bei diesem Buch nicht so leicht beantworten, denn die übliche Gut/Böse-Einteilung gibt es in dieser Form nicht. Prinzipiell sehr gut. Alle Charaktere haben ihre dunkle Seite und man kann bis zum Schluss nicht sagen, wen man nun in seinem Handeln zustimmen soll. Ich hatte das Gefühl, dass irgendwie jeder im Grunde böse ist und grausam wird, sowie er Macht besitzt. Solange dies nicht der Fall ist, scheinen menschliche Regungen möglich, doch sowie jemand beherrscht werden kann, wird derjenige auch gnadenlos und teils grausam herumgeschubst. Für ein Jugendbuch meiner Meinung nach unpassend. Es ist gut, wenn nicht immer eine klare Schwarz-Weiß-Malerei vorliegt, aber wenn der Leser hinterher keiner Seite zustimmen kann, ist irgendwo etwas schief gelaufen.
Weiterhin erwähnenswert ist die ständig präsente unterschwellige sexuelle Thematik. So singt eine Elfenfreundin von Kaye ihr schon früh recht eindeutige Lieder vor. Ein magisches Wasserpferd empfindet eine Ekstase dabei, wenn es Menschen ertränken kann.
Einer der Nebencharaktere ist schwul, lässt sich von einem Elfen entführen und eindeutig unterwerden und quälen, woran er deutlich Gefallen findet. Und das alles in einem Buch für 12-15 Jährige! Meiner Meinung sollte man dieses Buch wohl vor 14 Jahren nicht zur Hand nehmen.
Warum das Buch Elfentochter heißt, habe ich noch nicht so ganz raus. Kaye ist eine Pixie, keine Elfe. Es sei denn Pixies sind Unterarten von Elfen. Dann habe ich das aus dem Buch zumindest nicht rauslesen können. Früher hieß das Buch einmal Die Zehnte. Ein passenderer Titel und zugleich die Übersetzung des englischen Originals. Da die Reihe unter Moderen Faerie Tales läuft, bleibt weiter anzunehmen, dass es eigentlich um Feen gehen soll und Elfen nur ein Übersetzungsfehler ist…
FAZIT:
Wer ein Buch mit undurchsichtigen, inkonsistenten Charakteren lesen will, die mal so, mal so handeln und sich auch nicht an verwirrenden unlogischen Handlungen stört, wird in Elfentochter einen etwas anderen Elfenroman finden. Für mich wirkte das Ganze nur wie der Versuch ein Buch zu schreiben, dass möglichst viele Klisches bedient, durch die sexuellen Untertöne etwas scheinbar Besonderes bietet und durch Brutalität und Unbarmherzigkeit aufrüttelt. Die Handlung ist verwirrend, das Ende habe ich nicht so recht verstanden. Alles in allem recht stereotyp und ein eher dünnes Süppchen.