Rezension zu "Die redselige Insel" von Hugo Hamilton

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Dilbertine

Vor 2 Jahren

(18)

„Die redselige Insel“ – ein mutiges Update des Irischen Tagebuchs von Heinrich Böll
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„Dieses Irland gibt es. Und sollte man dorthin reisen und es nicht finden, dann hat man nicht genug hingeschaut“.
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Fünfzig Jahre nachdem Heinrich Böll, in seinem wohl poetischsten Werk „Irisches Tagebuch“, Irland in 18 Kurzgeschichten seine Liebe erklärt hat, begibt sich Hugo Hamilton, Sohn deutsch / irischer Eltern, auf dessen Spuren.
Die Geschichten entsprechen der Chronologie des Böll´schen Klassikers. Hamilton spannt in jeder seiner Geschichten den Bogen zur ursprünglichen Erzählung Bölls. Er begibt sich an gleiche Schauplätze, trifft gelegentlich sogar noch Personen, die Böll schon traf oder aber auch ihre Ahnen. Dabei plaudert er in leichter Erzählweise über das irische Wetter, irische Eigenarten, über altes und neues, vergängliches und unvergängliches, über den Wertewandel, die städtebauliche Entwicklung von Limerick, über die zu dicke Jugend, das generelle Rauchverbot in Irland und seine sozialen Randerscheinungen, über Straßen die dem Motor und Straßen, die noch den Schafen gehören. In seine Beobachtungen und Erlebnisse strickt er Anekdoten, die ihm die Menschen auf seiner Reise anvertraut haben, ein.
Die Idee, ein Werk von einem der wohl größten deutschen Literaten „fortzuschreiben“ bzw. zu aktualisieren, scheint ein mutiges Unterfangen oder gar eine super Marketingstrategie.
Wie auch immer, Hugo Hamilton kann dem literarischen Vergleich mit Heinrich Böll nicht standhalten. Ich weiß nicht, ob dieser Vergleich die erklärte Absicht des Autors war. Allerdings, begibt man sich auf solch große Spuren, kann eine Gegenüberstellung beider Werke nur zwangsläufig sein. Die Beobachtungen fünfzig Jahre irischer, gesellschaftlicher und sozialer Entwicklung sind kurzweilig, ironisch und interessant. Die in die Kurzgeschichten eingewobenen Anekdoten der „Dritterzähler“ kamen mir gelegentlich etwas zu zähflüssig daher. Spannend fand ich, dass Hugo Hamilton wesentlich kritischer und nicht ganz so liebevoll mit seinen irischen Zeitgenossen umgeht, wie Heinrich Böll es seinerzeit tat.
Die Begeisterung, die mich beim Lesen des Böll Klassikers vorangetrieben hat, war beim Hamilton´schen Portrait leider nur verhalten spürbar. Hamilton holt gelegentlich zu weit aus, um zum Ziel zu gelangen und seine Beobachtungen sind nicht so klar und präzise, wie die von Heinrich Böll, der fast jedem einzelnen Satz in seinem Tagebuch einen saftigen und nahrhaften Inhalt und Zauber verliehen hat. Möglicherweise erklärt sich meine etwas zu kritische Haltung aus der kurzen Zeitspanne, die zwischen meinem Konsum beider Werke lag. Vielleicht liegt es aber auch am unwiederbringlich ernüchternden und desillusionierenden Inhalt der Kurzgeschichten, denn das Irland des 21. Jahrhunderts hat nur noch wenig mit dem Böllschen Irland der fünfziger Jahre zu tun.

Wer also ein Werk im Stil von Heinrich Böll sucht und zudem Nostalgiker ist, sollte die Finger von diesem Buch lassen. Wer allerdings Irland liebt, Freude an der Fortschreibung irischer Geschichte und Entwicklung hat und einen etwas anderen Reiseführer als den gängigen Marco Polo bevorzugt, der ist bei Hugo Hamilton genau richtig aufgehoben. Der Autor möge es mir verzeihen, aber mehr als 3 ½ Sterne kann ich im zwangsläufigen Vergleich mit dem Vorgänger nicht vergeben.

Autor: Hugo Hamilton
Buch: Die redselige Insel
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