Rezension verfasst vor 1 Jahr
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Nachdem ich mich zunächst ein wenig an die etwas hochgeschraubten Satzkonstruktionen, die einem artistischen Sprachspiel gleichen, gewöhnen musste, hat mir der Roman
„ Saturday“ von Ian McEwan ausnehmend gut gefallen.
Es geht um einen Tag im Leben des Henry Perowne.
Das weckt natürlich sofort Assoziationen an J.Joyce.
Dennoch ist dieses ein ganz anderer Tag als der, den Joyce in seinem Ulysses beschreibt.
H.P. steht in der Mitte des Lebens, ist erfolgreicher Neurochirurg und schaut auf ein zufriedenes und beruflich erfülltes Leben mit seiner Frau, seinen Kindern, seinen Kollegen und Freunden und auf seine Gegenwart.
Der Tag aber, ein Samstag, an dem er früh schon aus seinem Schlafzimmerfenster beobachtet, wie eine Maschine im Anflug auf den Flughafen Heathrow ganz in der Nähe seines Hauses in London in Flammen steht, macht ihm bewusst, wie zerbrechlich ihrer aller Leben ist.
In seiner Reflexion und Beobachtung dessen, was um ihn herum geschieht, kann der LeserIn nachfühlen, wie es einem Mann mit annähernd fünfzig ergeht, der seine Kinder erwachsen werden sieht, seiner Frau sehr zugetan ist und in seinen Gedanken aller Geschehnisse gedenkt, die seinen Lebensweg begleitet haben.
Im weiteren Verlauf des Tagesgeschehens ereignet sich
sehr gegenwärtig noch eine spannende Kriminalgeschichte. Sie spannt den Bogen zu unserer Zeit, in der nichts mehr sicher ist, in der auch das kleinste Glück von den Unbilden einer unsicher gewordenen Welt bedroht zu sein scheint.
Bemerkenswert für mich war die liebevolle Beziehung von Henry P. zu allen seinen Familienangehörigen, besonders zu seinen beiden Kindern und ganz innig auch zu seiner Frau. Das ist einmal ganz neu in einem Familienroman, dass eine Familie intakt ist, ohne dass man denkt, das wäre vielleicht kitschig oder unecht.
Im Kontrast zu diesem privaten Glück eröffnet McEwans Roman mit seinen fragilen Infragestellungen die apokalyptische Vorahnung dessen, was im 21. Jahrhundert für die Bewohner unserer Erde zur Bedrohung geworden ist: eine unheimliche, nicht fassbare Gefährdung der bestehenden Verhältnisse dargestellt an dieser einen Familie.
McEwan schreibt anspruchsvoll, eindrücklich und baut den Roman so gut auf, dass man von Beginn bis zum Ende gefesselt bleibt.
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