Lange hat es in Deutschland gedauert bis der schottische Autor Ian Rankin seinen Weg aus dem Schatten der populären Schwedenkrimis gefunden hat. Mittlerweile ist er als fester Bestandteil in den Krimiabteilungen der gut sortierten Buchhandlungen wohl nicht mehr wegzudenken. Und selten hat der Spruch "Qualität setzt sich durch" so gut gepasst, wie bei Rankins langlebiger Serie um den kauzigen Detective Inspector John Rebus.
Wem Mankell zu düster ist, Indridason zu trist und Vargas zu speziell, der greift zu Ian Rankin. Und wird nicht enttäuscht sein, denn wie kein anderer vermag es dieser Autor einen spannenden Plot zu inszenieren und dabei trockenen Humor, literarischen Anspruch und logischen Handlungsaufbau in einem perfekten Gefüge zu vereinen. Dabei ist Rankin zudem auch stets höchst aktuell und er greift nicht selten auf Ereignisse der realen Welt zurück, um seinem Krimi einen authentischen Klang zu verleihen. So auch im vierten Fall der Rebus-Reihe, der nach einigen düsteren Ritualmord- und Serienkillerplots in den drei Vorgängern, um einiges actionarmer daherkommt und in gewissem Sinne einen Spagat zwischen klassischem Krimi und Politthriller vollzieht.
Nach der kurzen, aber eher fruchtlosen Beziehung mit einer Londoner Psychologin kämpft der miesepetrige Einzelkämpfer und Workaholic Rebus nun mit einem weiteren Problem. Soll er bei seiner neuen Lebensgefährtin Patience einziehen? Geistig schließt er mit sich selbst den Pakt, dass dies nur der Fall sein wird, wenn die alte Polizeistation Great London Road erhalten bleibt und renoviert wird. (Die letzte Seite des Buchs gibt hier die witzige Auflösung).
Neben diesen Beziehungsgeschichten, die wie immer bei Rankin angenehme und charmant erzählte Randerscheinung bleiben, beschäftigt Rebus nun ein neuer Fall. Gregor Jack, ein bei vielen populärer Abgeordneter, wird bei einer Razzia in einem Bordell erwischt. Und die Presse ist erstaunlich schnell da. Zu erstaunlich schnell für Rebus, der eigene Ermittlungen anstellt. Als dann einige Tage später Jacks Frau tot und eindeutig ermordet an einem Flussufer gefunden wird, scheint sich mal wieder das Misstrauen des DIs bestätigt zu haben. Gemeinsam mit Brian Holmes, dem gerade beförderten Detective Sergeant, der scheinbar als einziger den Menschenfeind Rebus längerer Zeit zu ertragen vermag, wühlt er in Jacks Vergangenheit und findet dort schon bald einige interessante Verbindungen.
Um es kurz machen: "Ehrensache" liest sich wie seine Vorgänger durchaus amüsant und stets unterhaltend, ist aber diesmal erschreckend spannungsarm. Die Fahndung zieht sich träge dahin und selbst Krimigelegenheitsleser werden den Mörder wohl schon nach ein paar Seiten erraten haben. Dass ein weiterer Mord bis zum Schluss nicht aufgeklärt wird, trübt zudem das Gesamtbild. Der sehr spannungsgeladene Showdown gegen Ende vermag dann nicht ganz zum moderaten Erzählton zuvor passen und wirkt dadurch arg künstlich.
Insgesamt ist "Ehrensache" ein schwächerer Teil der Reihe, bei dem ich das Edinburgh-Flair der Vorgänger vermisst habe, der aber über weite Strecken immerhin so gut unterhält, dass nie Langeweile aufkommt. Ein verzeihlicher Ausrutscher in einer Reihe, die mehr als ein Dutzend großartiger Krimis hervorgebracht hat.