Rezension verfasst vor 2 Jahren
(15)
Der Roman beschreibt die Lager aus der sich eines 15-jährigen. Vor allem der erste Abschnitt, bis zu den ersten Tagen in Auschwitz ist in einer kindlich-naiven Erzählweise geschrieben. Der Junge freut sich auf seinen "Arbeitsaufenthalt in Deutschland", alle Zeichen, die auf Schlimmeres hindeuten, missversteht er und die Angst und hektische Aktivität der anderen kann er kaum nachvollziehen. Gerade dieser Ton bringt einem das Geschehen besonders nahe. Es gibt eine Szene, die mir besonders im Gedächnis verhaftet geblieben ist, auf der Fahrt nach Auschwitz, will der ungarische Lokführer sich an den Juden noch bereichern und fragt sie nach ihren Wertsachen, die die ja nicht mehr brauchen würden.Die Juden, die seit drei Tagen nichts mehr zu trinken bekommen haben, wollen dafür Wasser haben. Allerdings können sie sich mit dem Lokführer nicht einigen, ob er ihnen zuerst das Wasser, oder sie ihm zuerst ihre Wetsachen geben. Der Kommentar des Lokführer: Da zeige ich mal wieder die Gier und Geschäftstüchtigkeit der Juden...
Mit der Ankunft in Auschwitz ändert sich der Ton. Hier fällt vor allem die Distanz zum Geschehen auf. Scheinbar ganz unbeteiligt beschreibt er, wie er von der Vernichtungsmaschinerie erfährt, später in Buchenwald dann den Verfall seines Körpers, die Erniedrigungen durch Höhergestellte (er beschreibt vor allem die Hierarchie innerhalb des Lagers). Am erschreckensten ist dabei, wie er zeigt, wie das Gefühl von Wertlosigkeit von den Häftlingen internalisiert wird. Primo Levi beschreibt das ja auch schon in "Was ist ein Mensch?", aber hier scheint man den Prozess direkt mitzuerleben.
Aber am Eindrucksvollsten fand ich den letzten Abschnitt nach der Befreiung, als er wieder in Budapest ist. Von berschiedenen Leuten befragt, wehrt er sich gegen Begriffe wie "Hölle", "Schrecken" und "Grauen". Hiermit warnt Kertész vor diesen Begriffen, die zu leeren Worthülsen geworden sind und die Erfahrungen der Überlebenden kaum treffen.
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