Leser-Rezension zu „In weißer Stille” von Inge Löhnig
am 9.07.2010
Über das Buch:
Ein pensionierter Kinderarzt wird in seinem Wochenendhaus tot aufgefunden, er wurde mit Gürteln an einen Heizkörper gefesselt und seinem Schicksal überlassen - er verdurstete, bzw. verhungerte.
Der Tote, Wofgang Heckenroth, Witwer mit drei erwachsenen Kindern, war auf den ersten Blick ein angesehener und geschätzter Mann. Die Fassade nach außen war perfekt, sobald dem Ermittler Konstantin Dühnfort ein Blick hinter die Fassade gelang, bröckelte der schöne Schein. Wolfgang Heckenroth war keineswegs der, für den die Öffentlichkeit ihn hielt, er war weder der gute Ehemann noch ein treusorgender Vater für seine Kinder, er war besessen von Machtspielen, seine Frau betrog er mit unzähligen jungen Geliebten, die er bevorzugt ans Bett fesselte, sie so erniedrigt fotografierte, um seine Macht zu demonstrieren und zu genießen. Seine Kinder strafte er mit Nichtachtung, das einzige woran er Spaß hatte war, sie gegeneinander auszuspielen und so reiften alle drei zu, zwar nach außen hin perfekten und erfolgreichen Menschen, doch innerlich zu zerissenen und gestörten Persönlichkeiten. Die Kinder - Albert war Wolfgangs Lieblingssohn, da er sich komplett dem Vater unterordnete und das Leben lebte, dass sein Vater für ihn vorgesehen hatte. Bertram - der Rebell, der sich dem Vater nicht unterordnen wollte und trotzdem scheiterte und Caroline, die eigentlich immer übersehen wurde, sie lebt für ihre Karriere und kann sich nicht vorstellen, dass sie nur um ihrer selbst willen geliebt werden könnte. Konstantin Dühnfort versucht hinter die perfekten Fassaden zu blicken und das Motiv und den Täter zu finden.
Meine Meinung:
Inge Löhning ist ein wirklich guter deutscher Krimi gelungen, mit relativ wenigen Beteiligten, fast mit einem Kammerspiel zu vergleichen. Das Buch wird abwechselnd aus der Sicht der (erwachsenen) Kinder und von Alberts Ehefrau erzählt. Der Einstieg ins Buch ist gelungen, mit einem Prolog, der den Leser schon ein wenig ahnen lässt, warum Wofgang Heckenroth so grausam sterben musste, wer allerdings der Täter ist, wird (natürlich) noch nicht verraten.
Man kann trotzdem recht schnell ahnen, wer den Mord begangen hat, trotzdem bleibt das Buch spannend, denn man taucht als Leser immer tiefer in die Familiengeschichte ein, immer mehr von dem schönen Schein bröckelt und immer wieder tauchen neue Details und Geheimnisse auf, prinzipiell tauchen damit auch neue Verdächtige auf, welche sich allerdings meist recht schnell als "Sackgassen" entpuppen.
Auch das Privatleben von Konstantin Dühnfort wird ein wenig zum Thema, er ist (unglücklich) mit Agnes liiert, beide haben unterschiedliche Ansichten, wie sie eine Beziehung führen wollen, Agnes möchte eine Affäre, Konstantin würde gerne eine richtige Beziehung aufbauen. Das waren auch die Teile des Buches die mir nicht ganz so gut gefallen haben, zum einen werden Nebensächlichkeiten, wie zum Beispiel der aktuelle Kühlschrankinhalt und Kochrezepte (für meinen Geschmack) zu ausführlich beschrieben, andererseits kommunizieren die beiden, in dem sie sich Gedichtpassagen zukommen lassen, das hat mir persönlich auch nicht so gut gefallen (naja, Geschmackssache) und wirkte einfach zu konstruiert (...also, wenn ich von einem Mann nichts (oder nicht viel ;-))) will, mache ich mir auch nicht die Mühe nach passenden Gedichten zu suchen...).
Das Ende lässt mich etwas zwiegespalten zurück, der Mordfall wurde stimmig zu Ende gebracht aber der anschließende Cliffhanger - um Kommisar Dühnfort - war mir persönlich etwas zu viel. Sicherlich wäre das nicht notwendig gewesen, auch wenn dieses Buch schon der zweite Band - und dem Ende nach zu urteilen auch noch nicht der letzte Band - um den Münchner Kommisar Dühnfort ist, hätte das Buch es nicht nötig gehabt so intensiv auf den Nachfolgeband zu verweisen. Für das Verständnis dieses Buches ist es auch nicht notwendig den Vorgänger gelesen zu haben.
Mein Fazit:
Ein solider deutscher Krimi, der einem Kammerspiel gleich, die Abgründe hinter schönen Fassaden beleuchtet.

