Als die Oma von Lena Michaelis stirbt und der Sizilienurlaub wegen der Arbeitslosigkeit ihres Vaters storniert wird, fährt die 16-jährige Lena gezwungenermaßen mit ihrer Mama Steffi nach Altenbrunn, ein kleines bayrisches Dörfchen. Ihre Mutter soll den Haushalt auflösen und Lena soll ihr dabei helfen. Eine langweilige Sache, doch als immer wieder der Name Ulrike fällt, beginnt Lena mit Hilfe ihres Camcorders nachzuforschen.
Wer ist Ulrike? Warum ist sie vor über 20 Jahren verschwunden und nie mehr wieder heimgekehrt? Und was hat es mit den Postkarten auf sich, die die Daheimgebliebenen erhalten?
MEINE MEINUNG:
Zuerst ist Lena nicht sehr erfreut, als sie von Stuttgart in das verschlafene Dorf mitkommen soll, doch die Suche nach der geheimnisumwitterten Ulrike (die Beiden sehen sich sogar ähnlich) lässt alle Eintönigkeit vergessen. Während sich Steffi mit der Erbschaft beschäftigt, recherchiert Tochter Lena hartnäckig über die Ereignisse, die zu dem Verschwinden ihrer Tante Ulrike geführt haben und bringt sich dadurch selber in Gefahr...
Schnell ist man als Leser mitten in der Geschichte und erlebt mit Lena die Gefühls-Achterbahn von Heranwachsenden. Hauptperson Lena ist etwas unsicher und fühlt sich durch eine Narbe an ihrer Lippe selbst nie schön genug und glaubt fast ihrer Freundin, dass sie ungeküsst sterben wird. *g*
Für den Teenager ist es zuerst ein Schock, als sie herausfindet, dass sie ihrer Tante (zum Zeitpunkt ihres Verschwindens) erschreckend ähnlich sieht, aber dann lässt sie sich die Haare wie Ulrike schneiden, zieht sogar ihre alten Klamotten an und will einen Film über den Verbleib ihrer Tante drehen. Doch manchen Leuten wäre es lieber gewesen, wenn man die Vergangenheit hätte ruhen lassen...
Alle Protagonisten werden authentisch und glaubhaft dargestellt und wirken durch die vielen verschiedenen Facetten und Charaktere sehr menschlich.
Durch die Ich-Erzählerin Lena sind wir gleich mittendrin im Geschehen und fühlen, fiebern, leiden und freuen uns mit dem 16-jährigen Stadtkind mit. Durch Rückblenden können wir uns in die Teenagerzeit von Ulrike zurückversetzen und bekommen einen Einblick, was passiert sein könnte.
Die Geschichte wird von Anfang bis zum bitteren Ende rasant und fesselnd erzählt, so dass ich das Jugendbuch innerhalb eines Tages ausgelesen habe. Es gibt keine überflüssigen Szenarien und auch die mitwirkenden Personen halten sich in Grenzen, so dass man nicht den Überblick verliert.
Außerdem versteht es Inge Löhnig, ihre Leser gekonnt in die Irre zu führen, überrascht immer wieder mit erstaunlichen Wendungen und am Ende werden die verschiedenen Puzzleteile zu einem Ganzen zusammengefügt.
So macht Lesen Spaß und die Autorin zeigt, dass sie nicht nur Krimis für Erwachsene schreiben kann, sondern sich ebenso in die Welt der Jugendlichen hineinversetzen kann. Der Schreibstil ist spannungsgeladen, klar und bewegt sich für ein Jugendbuch auf hohem Niveau. Obwohl ich den Jugendthriller für 12-jährige nicht passend finde, ab 14 wäre meiner Meinung nach eher angemessen.
FAZIT:
Ein faszinierender Arena-Thriller, der mit einem ansprechend gestaltetem Cover, tollen Plot, erstaunlichen Irrwegen und sympathischen Figuren überzeugt.
"Schattenkuss" küre ich gern mit 5 STERNE!