Ich bin bereits seit dem 1. Buch von Inge Löhnig ein begeisterter Fan von Kommissar Dühnfort. Für mich war er immer eine angenehme Abwechslung zu anderen Protagonisten, die selbst solche Probleme haben, dass sie irgendwann nur noch miesgelaunt und Alkoholkrank sind. So aber nicht Dühnfort, für mich war er immer sympathisch und angenehm zu lesen, sodass ich mir auch seinen 3. Fall nicht entgehen lassen wollte.
Nach mehr als 400 Seiten bleibe ich nun aber ziemlich enttäuscht zurück. Der Fall konnte mich nicht richtig fesseln, der Täter war zu früh eigentlich klar, und auch Dühnfort hat nur noch mit seinen Problemen zu tun. Selbst die Zusammenarbeit mit seinem Team war dieses Mal irgendwie seltsam konstruiert und unsympathisch.
Zum Inhalt: Die junge Fotografin Vicky findet in einer verfallenen Brauerei die enthauptete Leiche einer Frau. Schnell wird Kommissar Dühnfort klar, dass dies nicht der erste Mord des Täters sein kann, der von einem bestimmten Bild besessen sein muss. In der Leiche ist kaum noch ein Tropfen Blut zu finden und so gilt es herauszufinden, was der Täter mit dem Blut macht und nach welcher Vorlage er mordet.
Während Dühnfort und sein Team eher im Dunkeln tappen, beginnt auch die junge Vicky auf eigene Faust zu ermitteln, ohne dabei jedoch zu bemerken wie erschreckend nah sie dem Täter schon gekommen ist.
Zuerst einmal zu Vicky. Bereits aus den vorherigen Büchern hat man als Leser den Schreibstil von der Autorin kennengelernt. Sie wechselt sich immer mit Dühnforts Sichtweise und der einer Beteiligten Person, sowie kurze Passagen aus Sicht des Mörders ab. Das soll wohl dazu führen, dass man für alle Charaktere ein gutes Gespür und Mitgefühl entwickelt und bisher hat das auch immer gut geklappt. Dieses Mal allerdings ist mit Vicky eine ziemlich naive Protagonistin gewählt worden, die mir die meiste Zeit eher auf die Nerven ging als zu sympathisieren.
Dem Leser ist von Anfang an klar, dass diese eigenen Ermittlungen, bei denen sie auch noch alles andere als professionell auftritt, nur damit enden können, dass der Täter sie ins Visier nimmt und am Ende sie von Dühnfort geretttet werden muss. Ich konnte zu Vicky leider keinen richtigen Draht finden, ihre Passagen fand ich meist langweilig oder peinlich, da ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass ein unbeteiligter Mensch nach dem Mörder fahndet und es nicht einfach der Polizei überlassen kann.
Gut fand ich bisher immer Kommissar Dühnfort. Natürlich hat auch er mit Problemen zu kämpfen, aber meist siegte immer Polizei- und die Teamarbeit um einen Mord aufzuklären. In diesem Buch gibt es mehr als lange Passagen darüber, wen er nur eigentlich lieben will - Agnes oder Gina - und noch mehr solcher Passagen darüber, dass er Gina wirklich gut findet, aber das mit seiner Arbeit und seinen freundschaftlichen Gefühlen vielleicht doch nicht tun sollte ... und so weiter ... Am Anfang war das noch okay, aber irgendwann habe ich schon nur noch die Augen verdreht und gehofft, sein Selbstmitleid würde irgendwann wieder aufhören.
Genauso schräg war dieses Mal die Teamarbeit. Nicht nur, dass Gina plötzlich durch ihre Gefühle richtig unfreundlich wird (Dühnfort aber genauso), Alois scheint seinen Chef auch nicht mehr zu respektieren, auch er nimmt keinen Befehl mehr ernst. Das Schlimmste allerdings kommt erst gegen Ende, als sich Gina & Alois sicher sind den Täter gefunden zu haben, schließlich sprechen alle Beweise gegen ihn, ist Dühnfort mal wieder der Einzige, der dem wahren Täter auf die Spur kommt. Er hat eigentlich keine Beweise, aber "mal wieder so ein Gefühl" und schwupp findet er ganz schnell den Ort des Mordes und ein Motiv, obwohl Alois bereits vorher über die Person einiges in Erfahrung bringen sollte.
Das wirkte einfach nur konstruiert, so als ob Dühnfort als wahrer Held dargestellt werden sollte, wie als Ausgleich dafür, dass er den Leser vorher seitenlang mit seinem Privatleben genervt hat. Mehr als seltsam, denn in den vorherigen Büchern war die Teamarbeit etwas, das man wirklich positiv loben konnte. Trotz Meinungsverschiedenheiten und Rivalitäten hatte ich stets das Gefühl, dass die 3 ein perfektes Team abgeben.
Leider war auch dieses Mal der Täter keine richtige Überraschung für mich. Bei Inge Löhnig muss man eigentlich immer nur den nehmen, der am wenigsten verdächtigt wird, bzw. der logisch so ziemlich als erster ausscheiden würde. Eigentlich sind es doch immer die, die sich dann in irgendeiner Art & Weise auch noch der Protagonistin (hier Vicky) nähern. Da habe ich inzwischen irgendwie ein Muster in den bisherigen 3 Büchern erkannt und ich hoffe, dass die Autorin sich in weiteren Bänden nicht mehr so darauf versteift.
Zu Gute halten will ich ihr aber, dass sie wirklich gut versucht hat falsche Spuren zu legen. Sie hat genug Leute präsentiert, die die optimalen Täter abgeben würden und mit denen sich die Polizei dann auch lang genug beschäftigt hat. Trotzdem kannte ich eben schon die vorherigen Bücher und somit ihre Art den Täter zu "verstecken", sodass ich etwas zu schnell dann auf die richtige Lösung kam.
Fazit: Für mich war das Buch bisher am Schwächsten. Allerdings bereue ich das Lesen nun auch nicht vollkommen, denn ich fühle mich immerhin ganz nett unterhalten, auch wenn ich das Buch nie wieder aus dem Regal ziehen würde um es nochmal zu lesen.
Für Fans der Reihe empfehle ich es den dritten Teil einfach in einer Bücherei auszuleihen. Er ist sicher nicht schlecht, aber es gibt auf dem Markt einfach wesentlich bessere Bücher und so würde ich mir das Geld sparen. Für einmaliges Lesen war es okay, für öfter darin blättern, ist es für mich nicht geeignet.
Somit von mir eher eine eingeschränkte Empfehlung, vor allem für Fans der Reihe.