Leser-Rezension zu „Adam und Evelyn” von Ingo Schulze

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Graf Zahl Graf Zahl
Verfasst von Graf Zahl
am 19.09.2011
 

DDR, Sommer 1989. Der Damenschneider Adam liebt seinen Beruf. Er liebt auch die Frauen, die manchmal erst durch seine Kleider richtig „schön“ werden. Als seine Freundin Evelyn ihn in flagranti mit einem seiner Modells erwischt, findet sie das natürlich nicht sehr erbaulich und tritt die geplante Reise an den Plattensee nicht mit Adam sondern mit ihrer Freundin Simone und deren West-Cousin Michael an. Adam reist ihnen hinterher, nimmt unterwegs noch die Anhalterin Katja, die er im Kofferraum über die tschechoslowakisch-ungarische Grenze schleust, auf. Evelyn fängt was mit Michael an, Adam nicht mit Katja. Später landet Evelyn wieder bei Adam und die beiden im Westen.
Der Titel stellt natürlich schon den Bezug zur biblischen Geschichte von Adam und Eva her. Hier wir dort wird der Mann von der Frau dazu verleitet seinen angestammten Ort verlassen. Ich habe auch als lupenreiner Wessi einige Probleme damit die DDR hier als Paradies zu bezeichnen. Adam hat sich aber soweit es geht als vermeintlich apolitischer Mensch mit den Verhältnissen arrangiert. Es geht im gut. Ihm persönlich scheint es an nichts zu fehlen. Anders verhält es sich bei Evelyn. Sie hat keine Zugangsberechtigung zum erwünschten Studium, ihr Job als Kellnerin füllt sie nicht aus und dann geht ihr Freund auch noch fremd. Also ist es für sie eine logische Konsequenz, dass sie die sich eröffnende Chance nutzen will und über Ungarn fliehen will. Warum sie dann aber doch davor scheut, einen vollständigen Schlussstrich zu ziehen und nicht mit Michael zusammen diesen Schritt geht, erschließt sich mir leider nicht.
Die beiden wichtigsten Nebenpersonen sind eben dieser Michael und Katja. Katja ist jemand, der in der DDR überhaupt nicht zurecht gekommen ist und sich für die Flucht sogar in Lebensgefahr begibt. Sie ist also ein Gegenentwurf zu Adam. Darum ist es nicht weiter verwunderlich, dass sie diejenige ist, die, im Westen angekommen, sich dort am besten zurechtfindet. Michael hat sich in Evelyn verliebt, kann sie aber nicht verstehen. Er ist zu sehr von seiner und der westlichen Überlegenheit überzeugt, um Evelyns Zweifel überhaupt zu erkennen.
Ingo Schulze erzählt den Roman weitestgehend chronologisch und hauptsächlich aus der Perspektive Adams. (Nicht falsch verstehen: Es gibt keinen Ich-Erzähler). Ungefähr nach der Hälfte des Romans gibt es auch einige Wechsel din er Perspektive. Auffallend ist auch, dass einige für dem Handlungsfortgang äußerst wichtige Ereignisse nicht direkt beschrieben werden, sondern als Rückblenden vor allem in Dialogen.
Alles in allem ein ordentlicher Roman. Nicht zu trivial, aber auch kein ganz großer Wurf. Aber ich glaube, dass sollte dieses Buch auch gar nicht werden. Ich kann ihn auf jeden Fall empfehlen. (4/5)

 

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Adam und Evelyn Adam und Evelyn
Ingo Schulze

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ddr, liebe, flucht, wende, 1989

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Adam und Evelyn
von Ingo Schulze

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