Neuer Beitrag

Cappuccino-Mama

vor 3 Jahren

(7)

 

Bereits zum zweiten Mal erschien im Conte-Verlag eine kulinarische Krimi-Anthologie, also eine Sammlung von Kurzkrimis. Nach dem ersten Band MUSCHELN, MOUSSE UND MESSER, in dem Frankreich der „Austragungsort“ war, ist im Band PORRIDGE, PIES AND PISTOLS nun England der Ort der Handlung. Übrigens hat auch die Herausgeberin Ingrid Schmitz einen Krimi beigesteuert.


Was mich an diesem Buch gereizt hat? Kurzkrimis kann man so wunderbar mal eben zwischendurch lesen, zudem finde ich Rezepte in Büchern immer interessant – schließlich koche und backe ich auch. Und ein weiteres wichtiges Argument: Tatjana Kruse, eine sehr humorvolle Krimiautorin, Schöpferin des Kommissar Seifferheld, der in ihrer Heimatstadt Schwäbisch Hall ermittelt, hat eine der Geschichten geschrieben. Und diese Tatsache ließ das Buch für mich noch interessanter erscheinen.


 

Das Cover:


Das Buchcover zeigt eine Holztischplatte, auf der eine hübsche blaue Teekanne steht, aus deren Tülle (so nennt man den „Ausgießer“) es herausdampft. Farblich harmoniert die Kanne hervorragend mit der blauen Wand im Hintergrund. In der glänzenden Kanne spiegelt sich das Abbild eines Mannes, dessen Oberkörper leblos auf dem Tisch liegt.



 

Die Kurzkrimis / Rezepte:

 

Raoul Biltgen: Tir na nÓg (Shepherd' s Pies für auf die Hand)

Eine sarkastische, makabere und recht unheimliche Geschichte, mit einer Geheimzutat im leckeren Essen.


Ina Coelen: Teatime oder Der Mörder ist immer der Butler (Muffin-Rezepte)

Eine Journalistin, eine hundertjährige Dame und deren Vergangenheit mit ihren drei Ehemännern, sowie ein Butler – das sind die gutgewählten Zutaten des mit dem typisch englischen, schwarzen Humors gespickten Krimis. Und die alte Dame hat sicherlich so einiges in ihrem langen Leben erlebt...

 

Astrid della Giustina: Die Wiedergutmacherin (Dramstone Dinner für Katzen)

Die Handlung ist zwar eher unrealistisch, aber das ist ja kein Minuspunkt. Eine der längeren Geschichten im Buch, die mich gut unterhalten hat.


Gitta Edelmann: To a Haggis (Haggis, neeps und tatties)

Schwiegermonster Elfriede macht ihrer Schwiegertochter das Leben zur Hölle und Sohnemann schweigt und hält sich vornehm zurück. Keine guten Voraussetzungen für ein gemeinsames Leben zu dritt – ob wohl einer bald ins Gras beißt und die Radieschen von unten sieht...?


Goest and Patsch: Frau Callahans besondere Form der Gnade (Lamb Broth)

Eine Küche mit vielen Köchinnen, ein Pastor und Bedürftige, die bekocht werden sollen (dabei würden sich die Frauen ihr Gericht so gerne selbst einverleiben...) . Ein kulinarischer Gruß aus der Hexenküche – aber Vorsicht – nicht dass das Essen im Halse steckenbleibt!


Rita Hausen: Schreibblockade (Beef in Guinness)

Wie überwindet eine Autorin ihre Schreibblockade? Indem sie erst einmal umfangreich recherchiert, allerdings hätte die Autorin ruhig etwas mehr ins Detail gehen dürfen. Dennoch eine sehr unterhaltsame Handlung.

 

Simone Jöst: Queen mit Spleen (Queen Mary Kuchen)

So herrlich skurril und mit Schmunzelgarantie. Auch wenn diese Geschichte nicht super spannend war, tat dies meiner Lesefreude keinen Abbruch. Mich begeisterte die Geschichte sehr mit ihrem feinen Humor. Manche der Szenen wirkten geradezu so grotesk, als wären sie aus einem Sketch entnommen. Auf jeden Fall eine meiner Lieblingskrimis im Buch.


Wolfgang Kemmer: Sherlock Holmes und die Bockmorde von Dartmoor (Gebackene Lammhoden mit Feldsalat)

Eine der blutigeren Krimis und mitunter gar etwas eklig. Eine gute Handlung, wenn auch nicht unbedingt einer meiner absoluten Favoriten. Der historische Krimi passt hervorragend in dieses Buch, denn mit England und Kriminalfällen verbindet man eben auch Sherlock Holmes.


Ralf Kramp: Das Rätsel der verschwundenen Pie (Steak Pie)

Was veranlasst eine attraktive, junge Frau, sich mit „unappetitlichen“ Männern einzulassen? Bei der Auflösung des Falls musste ich doch in mich hineinschmunzeln...


Tatjana Kruse: Fünf-Uhr-Tee um vier (High Tea Tee)

Kurz und knackig! Ich wurde bei diesem Krimi nicht enttäuscht (hatte ich doch besonderes Interesse am Krimi dieser Autorin) und konnte hier einen nicht sonderlich langen, dafür aber nicht weniger unterhaltsamen Krimi lesen – mitunter liegt eben in der Kürze auch die Würze – um es mal wieder kulinarisch auszudrücken.


Heidi Moor-Blank: Bubble and Squeak (Bubble and Squeak)

Ein leckeres Gericht, ein Ehepaar, das sich nicht mehr sehr gut versteht und ein gemeinsamer Tauchgang. Man hat bei der Sache nicht unbedingt ein gutes Gefühl. Der kurze Krimi enthielt witzige Details, die die Handlung etwas auflockerten.


Nicole Neubauer: The Old Peculier (Old Peculier Beef Casserole)

Schade, vom Ansatz war die Geschichte nicht schlecht, doch leider wurde sie immer verwirrender und ließ den Leser mit einigen offenen Fragen zurück. Allerdings würde ich die Geschichte keinesfalls als schlecht bezeichnen, man hätte sie eben nur noch einmal überarbeiten sollen.


Andreas Pittler: Die goldene Himbeere (Cranachan)

Ein leckeres Dessert (mir lief das Wasser regelrecht im Munde zusammen – aber es gibt ja ein Rezept dazu im Buch), ein Toter und eine zunächst unbekannte Mordwaffe. Der Schluss etwas „holterdipolter“, aber bei einem Kurzkrimi auch durchaus legitim.


Ingrid Schmitz: Punkteabzug (Makrelen mit Stachelbeersoße)

Einer meiner Lieblingskrimis im Buch – wenn nicht gar DER Lieblingskrimi. Recht umfangreich und offensichtlich eine Anlehnung an eine Koch-Show, in der die Kandidaten gegeneinander kochen – jeden Abend kocht ein anderer und die Gäste bewerten. Hier wird mit scharfen Waffen gekämpft – und damit ist nicht mal unbedingt ein Messer gemeint. Aber ich fand die Handlung und die Details (Potenzmittelwerbung auf den T-Shirts der Teilnehmer,...) sehr unterhaltsam und humorvoll.


Gesine Schulz: Bantry House Blues (Cheese Straws /Käsestangen)

Eine Reisegruppe aus Deutschland auf einer Rundreise in England. Und dann kommt es zu einigen Vorkommnissen – Unfall oder Mordanschlag? Die Handlung ist, passend zum Thema, eher gemächlich, aber dennoch sehr unterhaltsam. Und das Rezept für Käsestangen ist einfach und dennoch schmackhaft und gut nachzubacken.


Frauke Schuster: Nachmittagstee mit Leiche (Cathys Schnell-Rezept für ihre Lieblingsscones)

Ein Krimi gewürzt mit einer gewaltigen Portion schwarzem, englischem Humor. Wie unpraktisch, wenn eine Leiche zu einem ungünstigen Zeitpunkt genau dort liegt, wo sie ganz besonders stört. Eine schräge Handlung mit makabren Gedankengängen der Protagonistin.


Klaus Stickelbroeck: Die schrecklichen Hunde von Barrymore Manor (Grundrezept Cornish Pasty)

Eine etwas langgezogene Handlung, die sich dennoch unterhaltsam las. Leider hat das Ende mich dann etwas enttäuscht, denn hier hätte ich ein etwas spektakuläreres Finale erwartet.


J. Monika Walther: Kippers & Seville Orange (Coronation Chicken)

Schade, aus dieser Geschichte, die an sich nicht schlecht war, hätte man soviel mehr machen können. Mir fehlten die Details und es wurde leider eher an der Oberfläche gekratzt, statt das ganze auszuarbeiten. Wirklich schade, dass das Potential nicht ausgeschöpft wurde.


Jutta Wilbertz: Freundinnen (Irish Creme)

Eine Gruppe Frauen besucht England, doch zwei der Freundinnen haben ein düsteres Geheimnis – sie haben eine Leiche im Keller - sozusagen. Doch welche der beiden war, damals vor vielen Jahren, die Schuldige am Tod eines jungen Mannes, oder waren beide gar unschuldig? Ein spannender Krimi.


Jennifer B. Wind: To Grouse a Grouse (Grouse)

Geklaute Moorhühner, eine Krankheit und das Schicksal fordert sein Opfer. Eine unterhaltsame Schadenfroh-Geschichte, die mir recht gut gefiel. Übrigens spielt hier ein historisches Ereignis eine Rolle. Durch den britischen Humor, trotz des eher ernsten Themas sehr amüsant zu lesen.


 

Sonstiges:


Was wäre ein kulinarischer Krimi ohne ein typisch englisches Gericht? In jedem Kurzkrimi spielt das Essen eine Rolle – mal mehr, mal weniger. Und so befindet sich im Anschluss eines jeden Krimis auch das passende Rezept zur Geschichte – mal lecker, mal weniger appetitlich.

 

Im Anhang des Buches befinden sich die Vita der Autoren. Das finde ich immer sehr interessant, wenn man etwas über das Leben und die Werke der einzelnen Autoren erfährt. Ich persönlich hätte es allerdings etwas besser gefunden, wenn der Lebenslauf des jeweiligen Autors sich beim jeweiligen Krimi befunden hätte – zum einen hätte dies ein Hin- und herblättern erspart, zum anderen hätte man die Vita des Autors so gleich im Vorfeld lesen können und so einen Gesamteindruck erhalten.


 

Meine Meinung:

 

Nein, perfekt ist eine Anthologie so gut wie nie. Viele Köche verderben den Brei – könnte man sagen und wäre dann eine treffende Formulierung für eine kulinarische Anthologie. Doch: Der Brei ist nicht verdorben – allenfalls etwas versalzen. Was ich damit sagen möchte? Die Mehrzahl der Kurzkrimis gefiel mir sehr gut. Eigentlich gab es keinen Krimi, der mir überhaupt nicht gefallen hat, lediglich welche, die eben nicht ganz so mein Fall waren. Hätten mir alle zwanzig Krimis sehr gut gefallen, dann wäre das wohl schon fast wie ein Sechser im Lotto gewesen.

Sehr gut gefielen mir die sarkastischen, ironischen, Parodien ähnelnden Krimis. Man musste schmunzeln, lachte schadenfroh in sich hinein. Da benötigte man dann auch keine atemberaubende Spannung, um unterhalten zu werden. Angesichts des begrenzten Platzes von relativ wenigen Seiten, kann man hier auch nicht umfangreiche Ermittlungen seitens der Protagonisten erwarten. Aber in der Kürze liegt (oft) die Würze. So auch hier.

Was ist der Vorteil einer solchen Anthologie? Zum einen kann man neue Autoren entdecken und kann sich ein Bild vom jeweiligen Schreibstil machen. So ging es auch mir – manche Autoren werde ich mir durchaus merken und sicherlich das ein oder andere Buch von ihnen lesen. Ein weiterer Vorteil ist die Seitenzahl. Selbst wenn man nur wenige Minuten Zeit zur Verfügung hat, findet sich hier eine Geschichte, die man eben mal kurz lesen kann, was bei herkömmlichen Krimis oft schwierig ist, weil man da bei wenigen Seiten schnell aus dem Geschehen herausgerissen wird.


 

Fazit:

 

Eine tolle Kombination, die zwei tolle Sachen miteinander vereint – Kochen (und auch Backen) und Krimis. Die Zusammenstellung ist sehr vielseitig und es gibt viele Stilrichtungen, die hier vertreten sind, so dass viele verschiedene Lesegeschmäcker befriedigt werden. Von mir gibt es für dieses Buch eine Leseempfehlung und 4 Sterne - und ich hoffe natürlich auf ein Wiederlesen mit einer weiteren Folge – mein Vorschlag wäre eine Anthologie über Italien: Pizza, Pasta und Pfeil.

Autor: Ingrid Schmitz
Buch: Porridge, Pies and Pistols
Neuer Beitrag