Rezension verfasst vor 1 Jahr
(29)
Klappentext:
Die Frauen des eleganten Vororts Stepford könnten jederzeit als Models durchgehen. Sie sind so vollkommen, dass sich die neu zugezogene Joanna nur bald fragt, wer sie zu diesen perfekten Puppen gemacht hat. Der Männerclub von Stepford, dem inzwischen auch ihr eigener Mann angehört? Die Wahrheit ist grausamer, als sie wahr haben will. Denn diese Barbies verkörpern alles, was Männern Spaß macht: Lachen, Lieben... und Töten.
Meinung:
Zunächst einmal habe ich den Film bisher nicht gesehen. Ich denke, das war gut so, denn das hätte dem Buch komplett die Spannung genommen. Und aus genau dem besteht "Die Frauen von Stepford": Das Geschehen wird eng gepackt erzählt (150 Seiten) und dadurch der Spannungsbogen schnell und erbarmungslos gespannt. Gleich auf den ersten Seiten übernimmt man das Unwohlsein der Hauptperson Joanna: Hier in Stepford stimmt etwas nicht! Was denn nun genau nicht stimmt, finden wir im Rest der Geschichte zeitgleich mit ihr heraus - und ich muss zugeben, es war nicht vorhersehbar. Auch das Ende ist sehr gelungen.
Einziger Punkt, der mich stört, ist das Verhalten von Joannas Mann Walter. In der Anfangszeit steht er ihrer emanzipierten Art offen gegenüber und unterstützt sie, wo er nur kann (er will den Männerclub unterwandern und erreichen, dass auch Frauen zugelassen werden). Schon wenige Wochen später kann davon nicht mehr die Rede sein und von diesem ehrgeizigen Plan wird auch nie wieder gesprochen. Meiner Meinung nach hätte Ira Levin das Buch ruhig um ein paar Seiten verlängern können und dafür darauf verzichtet, immer wieder Handlungsfäden ins Leere verlaufen bzw. sich gar nicht erst entwickeln zu lassen.
Alles in allem lässt sich Levins bitter-böse Gesellschaftskritik am klassischen Rollenverständnis von Mann und Frau schnell und mühelos lesen. Am Ende überlässt der Autor seinen Lesern die Entscheidung, wer nun Schuld hat am Drama von Stepford - Männer oder Frauen... oder beide? Ich persönlich habe das für mich noch nicht richtig klären können. Über "Die Frauen von Stepford" werde ich demnach wohl noch eine ganze Weile nachdenken.
Mehr
Weniger
0 Kommentare