Isabel Allende entführt uns in ihrem neuen Roman ins 18. Jahrhundert, auf die Insel Saint Domingue, besser bekannt als „Haiti“. Die Sklavin Zarité wird als junges Mädchen an den weißen Zuckerrohr-Plantagenbesitzer Valmorain verkauft. Dort übernimmt sie die Arbeiten einer Hausangestellten und kümmert sich um die geistig immer mehr verfallende Ehefrau. Selbst als der Hausherr sehr persönliche Dienste von ihr fordert, kommt sie ihrer Pflicht klaglos nach, denn sie weiß genau, dass sie zunächst keine andere Wahl hat… Doch je älter sie wird, umso größer wird ihr Wille, sich endlich aus dem Joch der Sklaverei zu befreien und endlich frei zu sein. Und die Zeichen stehen gar nicht so schlecht für sie, denn auch die übrigen Sklaven auf der Insel rebellieren gegen die unmenschlichen Zustände und Ungerechtigkeiten… Aber die Weißen sind nicht bereit, die Sklaverei aufzugeben und so entbrannt ein erbitterter Kampf zwischen weiß und schwarz, deren Auswirkungen auch die Mulattin Zarité zu spüren bekommt…
*******
Ein historischer Roman vor dem Hintergrund der Sklavenaufstände in der Karibik im 18. Jahrhundert. Brilliant recherchiert zeigt die Autorin, mit welchen Schwierigkeiten und Demütigungen die Sklaven zu kämpfen hatten, unter welchen Bedingungen das „weiße Gold“ nach Frankreich gelangte, machte klar, dass dieser Zucker teuer mit dem Blut der Sklaven erkauft wurde. Am Beispiel der Sklavin Zarité, die für ihre Freiheit und für die ihres Kindes kämpft, nachdem ihr bereits ein Kind entrissen wurde, erhält der Leser tiefe Einblicke, sowohl aus Sicht der Sklavin, aber auch aus Sicht der Weißen, die glaubten, den Sklaven in jeder Hinsicht überlegen zu sein - ja, die die Sklaven gar nicht als Persönlichkeiten wahrnahmen, andererseits aber auf sie angewiesen waren.
Auch Toulouse Valmorain, Herr einer der größten Zuckerrohrplantagen, der Zeit seines Lebens mit sich selbst uneins ist und nicht wirklich weiß, was er will, als auch die anderen Protagonisten werden so bildhaft beschrieben, dass ich sie wirklich vor Augen hatte, ihr Aussehen, ihre Körperhaltung, ihr Wesen – sowohl liebevoll als auch arrogant und gierig, lustig oder abenteuerlich, schüchtern, alle Facetten sind vorhanden, ohne dabei den Überblick zu verlieren…
Mutig kämpft Zarité, bleibt immer ihrem Glauben treu, ruft immer wieder Erzuli und ihre Loas um Hilfe an, auch wenn sie gehorsam den katholischen Gottesdienst besucht.
Ein höchst informatives und gleichzeitig berührende Geschichte, die zu Herzen geht. Der Leser begleitet die Sklavin auf ihrem mühsamen Weg in die Freiheit, mit all ihren Rückschlägen, Hoffnungen, aber auch Freuden, und durchwandert dabei die Zeit der Sklavenaufstände, des Umbruchs und des langsamen Umdenkens. Durch die übersichtlichen Kapitel – es gibt sogar Kapitel, in denen Zarité die Geschehnisse aus ihrer Sicht schildert- bleibt das Buch kurzweilig und auch nach kurzen Lesepausen gelingt der Wiedereinstieg in die Handlung mühelos. Ein gelungenes Buch, das historische Fakten mit fiktiven Personen und Handlungen geschickt verbindet und bei dem man am Ende bedauert, dass es schon zu Ende ist!