Auch, wenn die Grundidee an sich nichts Neues ist, birgt sie dennoch ihre ganz eigene romantic und durch die Einspielung einiger interessanter Aspekte bekommt auch "Ghost Lover" eine sehr eigene charmante Note. Und auch, wenn ab einem gewissen Punkt der Geschichte das Ende durchaus denkbar ist, nimmt nichts dem Leser die spannung oder verrät auch nur zu viel.
Neben der außergewöhnlichen Sprachenvermischung zwischen modern und alt ist auch der Schreibstil der Autorin, Ivy Paul, nicht ganz alltäglich. Sie gibt sich nicht mit unwichtigem ab - ja, ich denke so kann ich es nennen. Mir ist aufgefallen, dass es doch sowohl relativ lang als auch relativ kurze Absätze gibt. Alles in einer Gesunden Mischung durch das Buch verteilt. Das liegt nicht nur daran, dass die Sichtweise der beiden Protagonisten, Ella und Markus, gerne und oft wechselt, sondern auch daran, dass "unwichtiges zwischengeplänkel" wie beispielsweise immer wiederkehrende Verabschiedungen von Ella und ihrer Freundin Sophie oder auch das vorüberziehen eines ereignislosen Tags einfach weggelassen wird und das Geschehen direkt mit einem Zeitsprung, wann anders, wieder eisetzt. Das klingt jetzt vielleicht etwas irritierend und vielleicht sogar langweilig, ist es aber keinesfalls, denn gerade dem verdanken wir Leser es, dass es eben nie langweilig wird.
Die Protagonistin Ella sieht sich selbst als emanzipierte Frau. Sie ist Autorin von Sachbüchern und hat soeben das Cottage geerbt, welches sie nun in Augenschein nimmt und das ganze gleich mit einem ausgedehnten Urlaub dort verbindet. Was sie dann dort erwartet und was sie erlebt - damit hätte sie dennoch niemals gerechnet! So trifft sie auf den Geist von Markus Stapleton, welcher mit seinen nunmehr veralteten Umgangsformen, seinem Charm und Humor sehr Eindruck auf Ella macht. Und auch ihr charm und Aussehen - gerade durch die neumodischen Erscheinungen von Knappen Kleidern oder auch Röcken - lässt den auf den ersten Blick abgebrüht wirkenden Offizier nicht kalt.
Zwischen den beiden fliegen die Funken! Da ist es nicht verwunderlich, dass diese Funken bald schon ein leidenschaftlich, erotisches Feuer entfacht. Und auch wenn diese Leidenschaft sehr im Mittelpunkt in "Ghost Lover" steht geht es nicht nur um Sex. Es kommt vor allem immer wieder die Frage auf warum nur Ella Markus sehen und berühren kann und ihn dadurch sehr menschlich werden lässt, denn ihm ist es ebenfalls vergönnt zu essen, zu trinken und auch zu durschen, sowie seine Kleidung zu wechseln oder unbelebte Gegenstände zu berühren und zu benutzen. Verständlich, dass das viele Fragen aufwirft! Aber auch die Frage wieso Markus noch immer im Diesseits verweilt wird immer brisanter und sie kommen dem ganzen so langsam auf die Schliche ...
"Ghost Lover" ist gefüllt mit Emotionen aller Art. Grausamkeit und Angst, Liebe und Leidenschaft sind nur wenige Beispiele. Und dennoch konnte ich mich nie 100%ig in Ella hineinfühlen, irge Emotionen - so überschwänglich sie oft auf waren - konnten mich nicht richtig erreichen und berühren.
Was allerdings sehr lehrreich, süß und durch die gesamte Geschichte immer dabei war, war die Bedeutung von Blumen. Markus, als Charmeur der alten Schule, wusste darum und drückt seine Gefühle mehr als einmal bewusst durch Blumen aus. Um dem Leser eine Übersicht zu geben gibt es sogar eine Chronik zu beginn des Buches.
Alles in allem bin ich doch sehr positiv begeistert von "Ghost Lover". Ich habe das Buch verschlungen und bin mehr als geneigt auch noch das andere Werk der Autorin, "Tigerlilie", zu lesen.
4,5/5 Sternen!