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Verfasst von vielleichtsagerin
am 15.01.2011
 

In weiten Teilen dieses großartigen Romans geht es um die Liebe und die rästelhaften Wege des Herzens, über welche die Vernunft keine Macht hat. Aber auch um die Endlichkeit der menschlichen Existenz, an der kein noch so sehnsuchtsvolles Festhalten etwas ändern kann.

Gleich mehrfach lässt der Ich-Erzähler unmissverständlich durchblicken: Es steht nicht gut um ihn. Zermürbt von dem unaufhaltsamen Lauf der Zeit und der Vergeblichkeit des Daseins begibt er sich auf eine Reise in die Vergangenheit. In die Wohnung seiner Kindheit bricht er ein, dringt bis zu den Prämissen seiner Zeugung („Meine Existenz verdankt sich einem einzigen Satz.“) und noch weiter vor. Bis zur Paarbildung der Urgroßeltern, deren Ehe trotz unüberbrückbarer Differenzen bis zum Tod des Urgroßvaters bestand und deren Liebe „weder der unablässige Zermürbungskrieg des Alltags noch die Sprengkraft des Augenblicks“ zerstören konnten.

Das Herz_Stück des Romans bilden aber die Erinnerungen an den Tod der Mutter. Die libellenhafte Frau, die seinem felsenhaften Vater einst den Kopf verdreht hatte, wird immer weniger, ihr Körper immer spitzer – bis sie schließlich im Krankenhaus stirbt. Nach der Beerdigung fährt der Onkel beim Spielzeugladen vorbei und drückt dem kleinen Halbweisen eine Tüte in die Hand. Darin Spielzeugsoldaten, die noch am selben Abend zum Leben erwachen und sich von nun an spielerisch-erbitterte Kämpfe liefern. Der Vater, der Junge, die Zinnsoldaten, ein Männerhaushalt.

„Das alles änderte sich an jenem Frühlingsmorgen, an dem die Frau aus dem Schlafzimmer meines Vaters kam und in die Küche ging.“

Und was für eine Frau! Sie hat einen Gesichtsausdruck, der härter ist als der vom fiesen Frikki. Sie schweigt unablässig und schwingt das Schweigen wie eine Keule. Als ihre Familie nach einem kurzen Besuch abfährt, lässt sie

„ ... eine Bezeichnung für die Frau zurück, die eines Morgens aus dem Schlafzimmer meines Vaters kam. Es ist ein dunkler Zaubername, der aus den tiefen Höhlen der Märchen aufsteigt. Der Name lautet: Stiefmutter.“

Die Stiefmutter ist eine unterkühlte Frau mit furchteinflößendem Blick, die gerne Seehundflossen verspeist. Alle Kinder aus der Nachbarschaft sind sich ausnahmsweise sofort einig:

„Wahnsinn, Mann!“, sagen sie. „Eine Stiefmutter! Du bist erledigt. Sie wird dich fressen, sie setzt dich im Wald aus, sie verkauft dich, sie misshandelt dich, du bist total erledigt.“

Ganz so schlimm kommt es nicht, ein Rest der eisigen Beziehungslosigkeit zwischen Stiefsohn und Stiefmutter aber bleibt.

Srefanssons Sprache ist lakonisch, poetisch, klar. Vor dem Hintergrund nüchtern vorgetragener Begebenheiten leuchten seine bildhaften Metaphern wie Polarlichter am samtblauen Himmel.

In jedem Kapitel ist die enge Verbindung des Autors mit der rauschönen Natur seiner Heimat spürbar und schlägt sich nieder in zeitlosen Sätzen. Die Urgroßmutter duftet wie ein „Berghain voller Heidekraut“ und Stiefmutters Haare sind "schwarz wie Rabenschwingen."

Ach, ich komme aus dem Schwärmen ja gar nicht mehr heraus.

Mehr Zitate und Eindrücke habe ich in einer ausführlicheren Rezension auf meiner Seite gepostet unter http://vielleichtsagerin.blogspot.com/2011/01/jon-kalman-stefansson-das-knistern-in.html#links

 

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Das Knistern in den Sternen Das Knistern in den Sternen
Jón Kalman Stefánsson

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von Jón Kalman Stefánsson

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