Leser-Rezension zu „Niedertracht” von Jörg Maurer
am 15.05.2011
Lieber Jörg, sag amal: Kannst Du nicht ungefähr jedes Vierteljahr ein Buch schreiben? Es irgendwie ... aus dem Handgelenk schütteln, so locker, leicht und verflixt raffiniert, wie man das eben von Dir kennt?
Naa, schon gut, ich versteh. An solchen Büchern sitzt man halt eine Weile. Klar, da muss natürlich alles stimmen. Wenn so viele Handlungsfäden zum Ziel führen, und dort auch wieder eingesammelt werden wollen ... Zum einen geht’s in luftige Höhen, wo auf einmal halb vertrocknete Leichen in Höhlen hocken, zum anderen verfolgen wir mit Argusaugen den Veitstanz dieser winzigen Mücken, mit denen jemand irgendwelche Pläne zu haben scheint. (Was Du Dir ja ganz verreckt ausgedacht hast, Herrschaftszeiten nochmal!)
Außerdem verwirrst Du uns ganz schön mit diesen diversen Manschgerln, die da so verdächtig am Berg herumkraxeln, und all jenen, die drunten im Tal ihre Läden betreiben und von denen man nicht weiß, ob sie nun ganz harmlose Leut’ sind oder grad das Gegenteil.
Tja, und der stade Kommissar Jennerwein und sein Team mittendrin, quasi am nylonen Seil, am seidenen Haken baumelnd, bis sie schließlich doch noch den Knoten lösen können. Übrigens, das wollt ich Dir schon länger mal sagen: Der Jennerwein ist mir total sympatisch. Weil er nicht zickig, depressiv, computerfeindlich, irgendwie gestört oder kaltschnäuzig ist – wie so manch andrer fiktionaler Kriminaler, dem man so begegnen kann. Nein, er ist ein ziemlich normaler Kerl, garniert mit ein paar spitzfindigen Besonderheiten. Aber das Spitzfindige gehört ja sowieso zu Deinem Stil dazu, das geht schon beim Namen los und führt bis in die Charakterzüge unserer manchmal recht zwidernen Landsleute hinein oder in die Verstrickungen mit gewissen ausländischen Investoren, die es fürchterlich faustdick hinter den orecchi haben.
Und selbst wenn das alles nicht so genial zusammengebaut wäre, dann würd sich’s schon wegen Deiner jodlerischen Kapriolen zu Kapitelbeginn lohnen, Deinen Roman zu lesen. Welche von denen mein Liebling ist, wüsst ich gar nicht zu sagen – der Tanzjodler nach Pina Bausch? Das Jodel-Akrostichon? Oder doch der klingonische Jodler?
Du, schick mir doch einfach ein „ä-üi ? ä-ü-jo !!!“ rüber, wenn Dein nächstes Buch fertig ist, wie wär’s?
Damit ich Deinen nächsten niederträchtigen Auftritt jaaa nicht verpass!

