Leser-Rezension zu „Disgrace” von J. M. Coetzee
am 28.12.2008
Eine ruhige, mitfühlende Sprache, die eine Geschichte offenbart, die rührend, doch auch pragmatisch erzählt ist.
David Lurie, Professor an der Technischen Universität in Cape Town, verfängt sich in einer Liebelei mit seiner Studentin Melanie, die ihn letztendlich vor ein Universitätstribunal bringt. Er legt sein Amt nieder und fährt zur Farm seiner Tochter in Grahamstown. Dort beginnt er das 'einfache' Leben mit ihr, gerät in Kontakt mit dem rüden Seid des 'Landes', er der von der Stadt kommt, in anderen Dimensionen denkt und lebt. Als er und seine Tochter ausgeraubt werden, klafft plötzlich eine Tiefe wunde zwischen ihm und seinem Leben, seinen Umstehenden.
Die Geschichte ist aus einer Perspektive geschrieben, wie man sie für da Jahr 1999 wohl noch nicht erwarten konnte, wofür der Autor auch hart geschmäht worden ist. Aus der Perspektive eines Weißen auf die Schwarzen bzw. das Leben im Süden Afrikas wird geschrieben. Dabei kommen sie 'nicht gut weg', die Schwarzen. Darf man so etwas schreiben. Stellt man sich vielleicht die Frage. Wenn man die Geschichte allerdings liest und dabei durch die Perspektive David Luries schaut, kann man das Empfinden und Denken eines Individuums nachvollziehen, welches natürlich auch in Kategorien denkt, von seinem gesellschaftlichen Umfeld determiniert ist. Und doch ist es David auch nicht, aber was ist er dann? Allein, einfach nur allein?

