Leser-Rezension zu „Tender Bar” von J. R. Moehringer

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mehrsonntag mehrsonntag
Verfasst von mehrsonntag
am 5.05.2010
 

Wenn man seinen Vornamen nach seinem Vater bekommt, den man nicht mal kennt und der versucht hat, seine Mutter umzubringen, wenn dieser Vorname auch noch aus nur zwei Buchstaben besteht, ohne Punkt dazwischen, liegt die Frage offenbar klar auf der Hand: wofür steht JR eigentlich?
JR steht für den Jungen JR. Er lebt in Manhasset, mit Mutter, Tante, Onkel Charlie, Cousin McGraw und neun Cousinen im inzwischen reichlich verlotterten und heruntergekommenen Haus des Opas, der nicht müde wird, die Oma zu drangsalieren und seine permanente Übellaunigkeit an ihr und allen Mitbewohnern auszulassen.
JR erlebt seine Jugend, seine ganz persönlichen Abenteuer - und er sitzt oft stundenlang vor dem Radio, um DIE STIMME, die seines Vaters zu hören, für ihn die einzige traurige Möglichkeit eines einseitigen Kontaktes. Sein Vater schlägt sich nämlich als Radiomoderator durch, bleibt aber ansonsten meist verschwunden und für JR unerreichbar.
JR schildert sein jugendliches Leben, welches von Geldsorgen der Mutter geprägt ist und von seiner sich nie erfüllenden Sehnsucht nach Familie, Nähe und Geborgenheit. Er schildert sein erstes Mal, für das er nächtens auf Felsen klettert, sich einen fetten Kaktus-Stachel ins Knie einfängt und für den Weg zum Verhütungsmittel, und diese Schilderung läßt das vergnügte Lächeln nicht mehr vergehen - und doch schießen dem Leser durch Rührung und Einsamkeit im nächsten Moment fast die Tränen in die Augen. JR's Job im Buchladen, seine Liebe zu Büchern und der Literatur. Er liebt Sinatra und er träumt von Yale, sitzt im Hof der Uni unter "seiner" Ulme, hört die Glocken klingen und - landet schließlich genau dort, allen widrigen Umständen zum Trotz. Die Schilderung des Erhalts seiner Zulassung liess mich innehalten. Ein toller Moment in einem vielschichtigen Werk. Er schildert die ewige und einzig wahre Liebe zu Sidney, die, zunächst unerreichbar scheint, sich dann erfüllt um ihn im nächsten Augenblick verarscht zurück zu lassen. Ein ewiges Hin- und Her, Gefühlsbekundungen hier wie dort die JR schließlich schweren Herzens mit Hilfe des trostspendenden und allgegenwärtigen Alkohols zu Grabe trägt.
Seine Karriere bei der New York Times, als ewiger Volontär, sein Fehler, der seine Redakteurslaufbahn dort beendet, bevor sie beginnen konnte.
Und er schildert seine Liebe zu seiner Bar, dem Dickens, dem späteren Publicans, den Menschen dort, die sein Leben verändern, die sein Leben bedeuten.
Sein Weg zum Erwachsenwerden, der nicht immer leicht ist, im Gegenteil, aber ein Weg der einfühlsam geschildert wird. Die Zweifel, das Scheitern und dennoch das nie aufgeben. Trink noch einen, es geht schon.
Einige Längen gab es für mich in der letzten Hälfte des Romans, für die schönen Momente aber doch volle Sternchen..

 

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Tender Bar Tender Bar
J. R. Moehringer

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Tender Bar
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