Leser-Rezension zu „Der Herr der Ringe” von J. R. R. Tolkien

Rezension als hilfreich gekennzeichnet: (39)

streuner streuner
Verfasst von streuner
am 22.11.2011
 

Carroux oder Krege? Da scheiden sich die Geister…

Gemeinschaftsrezension von FiLou und streuner

Ihr erwartet eine Inhaltsangabe? Dann könnt ihr gleich hier mit dem Lesen aufhören und euch wieder euren eigenen Büchern widmen. Wir wünschen euch noch einen schönen Abend mit einem hoffentlich unterhaltsamen Buch! Wer ist schon so mutig und schreibt eine Zusammenfassung zu diesem Epos?

Richtig: Keiner!

Was gibt es zu Tolkiens Meisterwerk "Der Herr der Ringe“ eigentlich noch zu sagen, was noch nicht gesagt wäre?

Richtig: Nichts!

Trotzdem wollen auch wir beide unsere Meinung äußern und hoffen, dass es vielleicht den ein oder anderen noch interessiert.
Wir haben beide vor etlichen Jahren zunächst die Carroux-Übersetzung gelesen und zählen seitdem zum großen Kreis der Ring-Begeisterten.
Nun wollten wir eines der erfolgreichsten Bücher des 20. Jahrhunderts nochmal gemeinsam lesen und bei dieser Gelegenheit die Übersetzungen von Margaret Carroux und Wolfgang Krege miteinander vergleichen.

Wir trafen uns in unregelmäßigen Abständen und lasen uns gegenseitig jeweils ein Kapitel vor. Das tun wir, nicht nur bei solchen "Monsterwerken“, inzwischen sehr gerne. Bei diesem Fantasy-Klassiker war das eine echte Fleißaufgabe und meistens haben wir an einem Abend nicht mehr als 40 bis 50 Seiten geschafft, was manchmal auch nur zwei Kapiteln entsprach.

Automatisch stellte sich uns dann die Frage, ob eine Neuübersetzung überhaupt nötig war.
Nein – in unseren Augen war sie nicht nötig.
Was aber nicht heißen soll, dass wir die Neuübersetzung von Wolfgang Krege so schlecht finden, wie sie teilweise gemacht wird. Ganz ehrlich gesagt: Die 1- oder 2-Sterne-Bewertungen für die Krege-Übersetzung bei Amazon, können wir beide nicht verstehen.

In zahlreichen Foren kann man Diskussionen verfolgen, die sich mit der Übersetzung befassen und viele Fans lehnen die von Wolfgang Krege schlichtweg ab. Wir sind der Meinung, dass sich sowohl bei Krege, als auch bei Carroux, Textpassagen finden, die in der einen Version besser waren, als in der anderen und umgekehrt.

Für uns sind beide Übersetzungen absolut lesenswert und auf einen eindeutigen Favoriten konnten wir uns auch am Ende gar nicht festlegen, denn die erzählte Geschichte ist in beiden Ausgaben absolut die gleiche. Man mag sich an manchen Wörtern oder Sätzen, wie z. B. dem viel zitierten "Chef“ von Krege, stoßen. Macht das aber das Buch deswegen weniger lesenswert? Das ist Erbsenzählerei und für uns kein Grund Tolkiens geniales Werk abzuwerten.
Carroux legte sehr viel Wert auf eine eher altertümliche Ausdrucksweise (die jüngeren Lesern schon das ein oder andere Fragezeichen auf die Stirn zaubert).
Krege dagegen versuchte dem Werk einen zeitgemäßen "Anstrich“ zu verpassen. Dass er damit auch manchmal übers Ziel hinausgeschossen ist, wollen wir nicht bestreiten.

Fazit und Leseempfehlung:
Wer sich dieses Werk vornimmt ahnt meistens schon vorher, was auf ihn zukommt. Ob man nun z. B. die rote Hartcover-Dünndruckausgabe (Krege) mit ihren 1236 Seiten oder die 3bändige grüne Taschenbuchausgabe (Carroux) mit 1257 Seiten zur Hand nimmt – die Seiten sind eng bedruckt und die Buchstaben fast schon winzig. Als leichte Lektüre für zwischendurch- soviel wird beim Blättern sofort klar - ist es denkbar ungeeignet. Dafür ist die Welt von Mittelerde viel zu komplex. Man braucht sehr viel Durchhaltevermögen und Tolkien war auch ganz bestimmt nicht sparsam mit ausführlichen Charakter- und Landschaftsbeschreibungen.

Wer die Filme gesehen hat – ganz besonders empfehlenswert ist die Extended Edition – kennt zwar die Geschichte schon, sollte dem Buch aber trotzdem eine Chance geben und sich von Tolkiens genialer Welt auch lesend überzeugen lassen. Wir sind überzeugt – wieder einmal. Ob wir es nochmal lesen? Nein – auch da sind wir uns einig. Zweimal reicht…

 

Kommentare zu dieser Rezension

streuner vor 5 Monaten

Danke für den Kommentar und das Kompliment :) Die Filme gehören selbstverständlich zum jährlichen Pflichtprogramm *g*


ginnykatze vor 5 Monaten

Feine Rezi habt Ihr da geschrieben. Stimme in allen Punkten mit Euch überein. Dreimal lesen muss man HdR nicht, aber schauen als DVD schon...zwinker... Dies sollte doch für die Monatsrezi eingereicht werden. Finde sie ganz ganz klasse und vor allem der Vergleich ist doch mal was, was sonst nie vorkommt. LG Beata


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Der Herr der Ringe Der Herr der Ringe
J. R. R. Tolkien

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