So, da haben wir es nun, die Bibel der Pubertät. Sal Paradise und Konsorten, on the road, und ab dafür. Mit den Greyhound Bussen durch die Unendlichkeit streifen, am Straßenrand nur noch Wüste, im Kopf nur noch Gedanken. Das ist dieser Roman. Und man sollte vorsichtig sein. Denn was heute gilt, muss gestern noch keine Relevanz besessen haben. Kleines Beispiel: Wer heute wie Bukowski schreibt, wird verrrissen. Langweilige, dumme Säuferliteratur, tausendfach gelesen und als allererstes von wem? Richtig, von Bukowksi. Deswegen sollte man vorsichtig sein. Denn die Pioniere gingen oder gehen einen anderen Weg. Einen, der noch nicht zugemüllt ist von tausend Trinknovellen, -romanen, von Drogeneskapaden und und und. Was heute langweilig ist, muss gestern nicht langweilig gewesen sein und so weiter.
Jack Kerouac hat dieses Ding in die Maschine gehackt, als kein Hahn nach solcher Literatur gekräht hat. Keiner wollte den Bebop, den Jazz, das freie Assoziieren und so weiter, alle wollten Weltliteratur. "Was ist ihr Anspruch? Was ist die Message? Wie wollen sie diese transportieren?" Und dann knallte sich dieser Typ vor die Maschine, den Kopf voller Benzedrin und Alkohol und hackte mal eben kurz auf Endlospapier diese Nummer in die durchgehauenen Tasten. Das fordert meinen Respekt. Auch wenn Kerouac auf der Zielgeraden vollkommen versagt hat, alter Alkoholiker, der weinerliches, rechtspopulistisches Zeug von sich gab.
Und dennoch: On the road sollte Standardliteratur werden, zumindest sagt das mein Ego. 15-, 16-jährige sollten diesen Roman in der Schule lesen und reden. Denn nirgendwo sonst habe ich die Schilderung des fröhlich pubertären Freiheitswahnes besser geschildert bekommen. Diese Gier nach Eskapaden, nach Leuten, nach Sternen, nach Welt. Dass die Pubertät dabei auch hochgradig peinlich ist, dafür kann Kerouac am allerwenigsten. Aber zu beschreiben, wie es ist, wie es war, bei mir und bei anderen, das ist ihm gelungen. Und zwar besser als vielen Jungs- und Mädchenverstehern, die immer so tun, als hätten sie auch nur irgendetwas verstanden. Also: Haben sie ein Kind? Wird dieses langsam erwachsen? Dann geben sie ihm dieses Buch. Könnte helfen. Oder auch nicht. Aber wenigstens ist es dann ein Startpunkt, von dem aus gedacht werden kann. Und mehr können Bücher eh nicht erreichen.