Leser-Rezension zu „Naked Lunch” von James Grauerholz
am 4.01.2012
Burroughs hat sich ganz bewußt vom Rest der Beats ferngehalten. Für den Durchschnittsleser ist das natürlich ein "Kultbuch", in dem es um krasse Drogentrips und allerlei Schweinskram geht, und das manchmal eben auch ein wenig widerlich und verstörend ist. Und dann der Film erst, o la la! Was mit Burroughs tatsächlich abgegangen ist, wissen wahrscheinlich die wenigsten (inklusive mir!). Er war (wie Ginsberg auch) ein widerlicher Päderast, der dem altamerikanischen Geldadel entsprang und sich flugs mal eine gepflegte Morphinsucht zulegte. Seine Cut Up Methode (mit der große Teile dieses Romans collagiert wurden) hat er bei Bryon Gysin "entlehnt". Was bietet uns das Buch? Man kann es unter keinen Umständen unter "normalen" Lesebedingungen goutieren. Es bleibt immer ein privates Werk, das sich dem Leser wohl nie zur Gänze öffnen wird. Vielleicht heute noch weniger als jemals zuvor. Nie waren wir weiter von diesem Nihilismus der 60er entfernt, nie war die Gesellschaft prüder und weniger bereit, Gefahren zu erleben, um sich selbst zu spüren.

