Bücher - meine Leidenschaft, Bücher mein Ruin ;o)
Wieder war es eine Rezension, die mich dazu veranlasste umgehend zu buecher.de zu wechseln und das beschriebene Buch zu bestellen. Leider ist es bei mir dann aber so, dass ich nicht nur ein Buch bestelle, sondern auch noch etwas stöbern gehe. Die Bücherbestellung umfasste dann insgesamt 4 Bücher und eines davon war dieses hier:
"Ausgesetzt"
Ein 3-jähriger Junge wird an einer Landstraße in Ontario ausgesetzt. Die Frau, von der er nach 16 Jahren annimmt, dass es seine Mutter ist, flüsterte ihm zu: "Halt dich fest, halt dich gut fest!" und kam nie wieder.
Mit seiner Volljährigkeit durfte Walker, der nach einer Odyssee von Pflegefamilie zu Pflegefamilie bei den Deveraux ein Zuhause gefunden hat, Einsicht in seine Akte nehmen und bekam einen Brief und ein Foto von 2 kleinen Mädchen ausgehändigt. Die einzigen Hinweise zu seiner Identität, die die Polizei damals in seiner Jackentasche fand und doch nie klären konnte.
Walker selbst glaubt in dem Brief eine Spur entdeckt zu haben, die die Polizei damals übersehen hat und macht sich auf den Weg ins weit entfernte Toronto…
Wieder einmal ein Buch, das ich fast an einen Stück durchgelesen habe. Die Geschichte faszinierte mich, auch wenn sie erst einmal etwas gewöhnungsbedürftig war. Die Handlung ist zweigleisig aufgezogen. Die Einleitung ist atemberaubend herzergreifend. Als Mutter von 2 Söhnen stellte ich mir den kleinen Walker dort am Zaun vor und las mich voller Mitgefühl in seine Geschichte in der Gegenwart ein.
Dazwischen und auf den ersten Blick völlig zusammenhanglos kamen immer wieder Rückblicke und damit die Geschichte eines anderen kleinen Jungen namens Bobby ins Spiel, der sagen wir mal anderes ist und anfangs zwar Antipathie und trotzdem auch irgendwie Mitleid, später nur noch kaltes Grauen erregt. Nach und nach begriff ich beim Lesen, dass die Geschichte um Bobby eng mit Walkers Geschichte verknüpft sein muss.
Es wurden verschiedene Spuren ausgelegt, teilweise verworren, teilweise sehr geschickt, die sich zum Schluss in einem klaren Ende fanden. Manchmal wurden Handlungsstränge ausgeschmückt, die zwar interessant, aber eigentlich für die Geschichte bedeutungslos waren. Andere, von Bedeutung, wurden zwischendurch nur kurz erwähnt. Der Leser wird trotzdem hervorragend in die Gefühlswelt des Walker Deveraux hineinversetzt und möchte von Anfang bis Ende wissen, wer ist dieser Junge und woher kommt er.
Ich sehe auch durchaus ein großes Maß an Gesellschaftskritik. Mangelnde Toleranz in der Gesellschaft am Anderes sein in den 70ern machten wohl Bobby zu dem was er am Ende war. Im Gegensatz dazu verliebt sich Walker in die an den Rollstuhl gefesselte Krista und stellt innere Werte über Äußeres. Korruption führte dazu, dass Walker seine Identität erst nach so vielen Jahren fand.
Der kanadische Autor James W. Nichol, geboren 1940, lebt in der Nähe von Stratford, Ontario. Er hat sich in seiner Heimat vor allem als Dramatiker einen Namen gemacht. Sein Roman Ausgesetzt feierte als Hörspiel im kanadischen Rundfunk große Erfolge. Von den Crime Writers of Canada wurde er als bestes Thriller-Debüt 2004 gefeiert.