Weltliteratur ist dieses Büchlein sicher nicht - doch muss es immer Kaviar sein? Mir reicht zwischendurch auch mal eine Stulle, um im Bild zu bleiben. Und dieses Buch hat mich sicherlich über zwei Lesetage hinweg recht gut mit Ideen und Humor versorgt.
Das Ganze ist außerdem ein Erstlingswerk, und in einem solchen Falle erwartet man vom Autor wohl kaum literarische Perfektion.
Die Geschichte spielt auf der Nordsee-Insel Föhr, wo auch die Schwiegerfamilie des Autors seit Generationen wohnt. Ich habe mit meiner Familie schon mehrfach auf diesem herzlichen Eiland geurlaubt, und habe daher natürlich ein besonderes Augenmerk auf faktische Richtigkeit und Atmosphäre gelegt. Mein Resümee: was Örtlichkeiten und Lokalkolorit angeht, so kann ich dem Autor guten Gewissens die Höchstnote verleihen. Ortschaften, typische Familiennamen, Straßen, Sehenswürdigkeiten, ja sogar die Namen von Geschäften - alles versetzte den Leser mitten auf diese Insel. Nur eine einzige Information scheint veraltet zu sein, denn die einzige Insel-Discothek heißt meins Wissens "Olympic", und nicht "Erdbeerparadies".
Die Geschichte an sich - nun, der Klappentext geht am eigentlichen Inhalt meiner Meinung nach ein wenig vorbei. Sicher reist der plötzlich arbeitslose Sönke nach Föhr, um sich anstelle seiner Mutter um "Oma ihr klein Häuschen" zu kümmern, bzw. eine Entscheidung in dieser Hinsicht in der Familie herbeizuführen. Die ist nämlich ganz schön zerstritten - es gibt sogar verzweifelte Sabotage-Akte und Erpressungsversuche, um die Gegenseite von der eigenen Meinung zu überzeugen. Doch mitten im Buch weicht die Handlung von diesem Erzählstrang plötzlich ab, und entwickelt sich zum Melodram. Nicht nur muss die verschwundene Oma gesucht werden, nein, auch Sönke und Maria überstehen manche Episode, bis sie schließlich zueinander finden.
Warum und wohin Oma verschwand, möchte ich an dieser Stelle nicht auflösen. Es sei nur soviel gesagt, dass hier nicht mit tragischen und romantischen Momenten gegeizt wurde. Und zugunsten dieser Effekte hat leider die Wahrscheinlichkeit und Plausibilität im letzten Drittel ein wenig gelitten. Zudem hat sich noch mindestens ein dicker Logik-Fehler eingeschlichen. Und was passiert nun mit "Oma ihr klein Häuschen"? Tja, weil sich der Autor ein wenig im Melodram "verloren" hat, blieb am Ende nicht mehr viel Zeit, um die Sache wirklich logisch aufzulösen. Es gibt nur noch einen Epilog, in dem ganz plötzlich "alles in Ordnung " ist. Sowohl mit dem Häuschen, als auch in Sönkes Privatleben. Gut, es ist ein reines Unterhaltungsbuch, und es wird am Ende darauf ankommen, was man von einem solchen erwartet. Doch bei mir haben diese Schwächen dazu geführt, den fünften Stern abzuziehen.
Was ich allerdings wirklich genossen habe, waren die vielen schrägen Charaktere, und teils haarsträubenden Situationen, die sich um den Familienstreit rankten! Hier habe ich oft herzhaft gelacht. Die Friesen sind in ihrer Art wirklich wunderbar getroffen. Wenn man will, kann man sogar ein wenig Friesisch von den Figuren lernen - es ist wirklich eine eigene Sprache. Der Autor hat außerdem ein eindeutiges Talent für humorige Beschreibungen und spritzige Dialoge, das muss man ihm lassen. Da störte es auch nicht mehr, dass Herr Mommsen ein wenig einseitig die immer gleichen Hauptsatz-Konstruktionen bevorzugte.
Insgesamt gebe ich eine doch von Herzen kommende Lese-Empfehlung. Aber nur für solche Leser, die sich nicht allzu sehr an obigen Kritikpunkten stören. Die also um der guten Unterhaltung willen gerne mal auf Logik und stringente Handlung verzichten.