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Mandel

vor 3 Jahren

(14)

Fantasybücher zu lesen, ist die eine Sache. Jasper Fforde eine ganz andere. Er spaltet die Gesellschaft. Die einen verstehen ihn nicht, wenige mögen ihn und viele lieben ihn. Mit der Thursday-Next-Reihe hat er einen Kult geschaffen und die Eddie-Russett-Romane versprechen ein weiterer Kult zu werden.

Das Buch

Eddie Russett ist kein gewöhnlicher Junge. Das liegt mitunter daran, dass er in einer Gesellschaft wohnt, die der unseren in keinster Weise ähnelt. Er lebt in einer Colortokratie. In einer Gesellschaft in der alles durch Farben bestimmt wird. Das gilt vor allen Dingen für den gesellschaftlichen Rang. Alles ist durch und durch geordnet. Die Kleidung, die Mahlzeiten und das Postsystem. Das vom Großen Munsell aufgestellte Regelwerk bestimmt das ganze Leben der Bewohner von Chromatopia – immer und überall.
Rot ist die Farbe, die Eddie mit einer ganz besonderen Intensität wahrnimmt. Dadurch wird er eines Tages die Möglichkeit haben Präfekt zu werden. Allerdings ist er auch einer derjenigen, die sich nicht alles gefallen lässt. Immer wieder rebelliert er bewusst und unbewusst gegen das System. Dabei lernt er Jane kennen und lieben. Das Problem: Jane ist eine Graue. Zu allem Überfluss versucht sie Eddie auch noch umzubringen. Wird Eddie Jane dennoch für sich gewinnen können und die Einwohner von Chromatopia dazu bekommen über den Tellerrand zu schauen?

Fazit

Diesen Roman auf einen Nenner zu bekommen, ist schwierig. "Grau" von Jasper Fforde ist ganz im Gegenteil zu seinem Namen farbenprächtig und facettenreich. Eine skurrile Geschichte mit fantastischen Charakteren entführt den Leser nicht unbedingt in eine fantastische Welt, sondern vielmehr in eine andere Gesellschaft. Die Menschen leben wesentlich stringenter als wir. Ein Regelwerk bestimmt alle Lebenslagen der Einwohner, welche sich im Großen und Ganzen fügen. Wer sich dem widersetzt, wird entsorgt. Dystopie und Utopie treffen in diesem Buch aufeinander.
Auch wenn Jasper Ffordes Romane immer intelligent und clever geschrieben sind, übertrifft "Grau" diese vor allen im Hinblick auf den gesellschaftskritischen Aspekt. Der Autor wollte mit Eddie Russett und der Colortokratie etwas Neues erschaffen ohne eine Vorlage in der Literatur dafür zu finden, wie es bei seinen bisherigen Büchern der Fall gewesen ist. Das ist ihm mit Bravour gelungen.
Selbst beim mehrfachen Lesen oder Hören, entdeckt man immer wieder neue Aspekte und Anspielungen, die zum Nachdenken anregen. Selten gibt es so kluge und durchdachte Romane, die alles andere als Mainstream sind und sicherlich nicht jeden Geschmack treffen. Man liebt ihn oder man hasst ihn. Dieses Buch ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Geniestreich. Fortsetzung folgt.

Autor: Jasper Fforde
Buch: Grau
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