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Vor 1 Jahr
(9)Große Erwartungen
Als verwöhnter Thursdaynext Fan, fiel mir der Einstieg in "Grau" sehr schwer.
Eine komplett andere Welt, mit Farb Hierarchie ( Kollektiv) welche häppchenweise serviert wird.
Freudlos anzulesen, mit einem Protagonisten dessen Wohlergehen mir nach 2/3 des Buches immer noch völlig schnurz war. Selten habe ich soviele Versuche gestartet ein Buch fertigzulesen. Minimalistisch, eigentlich kaum wahrnehmbar, verpackt der heißgeliebte, abgedrehte ffordesche Humor, der sich typischerweise an der Gesellschaft und ihren Schwächen abarbeitet. Stilistisch dagegen wohl durchdacht und ehrgeizig gut geschrieben. Fforde selbst erwähnt in der Schriftsteller Danksagung, dass Grau von seinen sonstigen Werken abweicht. Thursdaynexts kreative Problemlösungsstrategien bei Spec Ops, oder Humpty Dumptys ("The big over easy") unbeirrbare, lachmusklereizende Märchenweltkriminalfallaufklärung entgegen aller Widerstände, sind konträr zu Eddie Russetts lahmarschigen, aber aufrechtem "Komm ich heut nicht, komm ich morgen" Verhalten, welches wiederum den in "Grau" dargestellten kommunistisch geprägten Staat und dessen psychologische Einflüsse auf die Menschen perfekt untermalt. Eddie ist ein Kind dieser Welt, der sich seines Unwohlsein mit ihren Regeln seeeeeeehr langsam bewusst wird.
Fffordes Welten, welche alle sehr detailverliebt und großartig beschrieben sind erreichen mit Grau ihren Höhepunkt, wobei ich persönlich mir gewünscht hätte, dass er schneller auf den Punkt kommt und den Leser nicht ewig mit Eddie an dieser hierarchischen Farbgesellschaft und ihren Besonderheiten leiden lässt.
Dank Eddies großer Liebe, der auf der untersten Stufe der Farbpalette stehenden Grauen Jane, nimmt der Roman an Fahrt auf, schweift ins romantische ( gelungen) ab und setzt den Auftakt zu einer Trilogie deren Ziel der Kampf gegen die rigide geregelte Gesellschaftsform hin zum Individuellen selbstbestimmten Leben.
Mein Fazit:
Das letzte Drittel dieses Romanes ist großartig und genußvoll zu erleben, leider muss man um es zu verstehen die erste Hälfte in fast nur grauer Ödnis durchstehen, wobei hier lobend der Apokryphe Mann und das Versprechen von Eddies Auflösung im Verdaungssaft des Yateveobaumes erwähnt werden müssen.
Hier bewertet also eher die enttäuschte Erwartungshaltung eines Fforde Fans, eine anspruchsvolle Dystopie die Nichtffordekennern bereits vom ersten Kapitel an faszinieren könnte.
Zögerliche, doch verdiente 4 Sterne
Fforde mal ganz anders und doch irgendwie auch nicht
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