Rezension verfasst vor 2 Wochen
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Die Machenschaften des Satans Grangé oder Wie mich nach 666 Seiten das Grauen überfiel
Wenn man den Klappentext des Thrillers "Das Herz der Hölle" liest könnte man sich die erste Hälfte des Buches sparen, doch dann würde einem das Beste dieses Buches entgehen.
Langsam werden wir in die Geschichte des Mathieu Durey eingeführt, sein Verhältnis zu Gott, der Kirche, zu seinen Kollegen.
Es geschieht ein Mord, Mathieu ermittelt und kommt auf die Spuren der Lichtlosen, die negative Toderfahrungen hinter sich hatten und nicht das Licht, sondern Satan sahen.
Soweit so gut, ausser dass Mathieu als Franzose weder französische Zigaretten noch französische Autos fährt. Das unsägliche: "Er zündete sich eine Camel an" nervt bald nur noch im Hintergrund.
Wo ist ihr Nationalstolz Herr Grangé? Grangé kann gut beschreiben, seine Erzählungen über das französische Hinterland könnte aus Wikipedia stammen.
Überhaupt erinnert sein Stil mehr einem Dozenten als einem Krimiautor. Der erste Teil ist aber recht ordentlich, etwas Spannung kommt auf, da der Kommissar aus Paris hin und herhetzt und von unbekannten Mächten verfolgt wird.
Kurze Sätze charakterisieren den Verfolgungsstil, die Morde sind eklig aber dezent. Noch ist die Geschichte ganz gut erzählt.
Dann kommt der Satan ins Spiel. Und ab hier begeben wir uns in die Tiefe, in die Hölle der Unlogik und einer immer mehr verworrenen Geschichte.
Und es wird einfach nur langweilig! Seitenweise im Stile eines Sachbuches vorgetragenen Berichte über Satan, es scheint als würde plötzlich jeder vernunftbegabene Mensch an den Leibhaftigen glauben.
Nicht das Grangé seine Hausaufgaben nicht gemacht hätte, doch seitenfressende Lateinzitate, Dialoge die aus dem Setzbaukasten kommen und Charaktere die auch schon vorher wenig Tiefe hatten, aber jetzt jegliche Kontur verlieren, sondern zum Spielball des wahren Teufels Grangé werden.
Hinzu kommen unlogische Verhaltensweisen, jedes Kapitel muss mit hohlen Schlagwörtern beendet werden um eine Scheinspannung zu erzeugen, die Logik bleibt immer wieder auf der Strecke.
Nein, ein Rettungshubschrauber fliegt nicht im prasselnden Regen, auch unser Held scheint ein wenig beschränkt zu sein, nach der Hälfte des Buches hatte ich schon Zusammenhänge erkannt, die ihm nach mehrmaligem auf die Nase stossen endlich auffielen, auch die Vorhersehbarkeit nimmt noch den letzten Rest von Spannung.
Die Seiten fliegen dahin, getränkt von satanischen Versen, verquerten Gedanken, hohle Personen, keine atmosphärischen Feinheiten, psycholgische Raffinessen - nur Bild Schlagzeilen Niveau und den Preis für kreative Morde.
Herzlichen Glückwunsch Herr Grangé, aber unter Kreativität stelle ich mir was anderes vor, auch läßt mich das Abschlachten recht kalt.
Nachdem dann Mathieu nur noch ziellos durch Europa reist, landet er am Schluss wieder in Paris.
Die letzten Seiten sprengen dann meinen Logikrahmen und sind beleidigend für jeden vernünftig denkenden Menschen.
Insgesamt um mindestens 300 Seiten zu lang geraten und dadurch stellenweise recht langatmig und langweilig.
Fazit: eine gute Idee, mit flotter Verfolgungsjagd am Anfang, gute Beschreibungen und interessante sachliche Artikel über französische Landschaften, Kirche, Teufel.
Oberflächliche Charaktere, unstimmige unlogische Verhaltensweisen, etwas langatmige Geschichte, gegen Ende hin völlig verquerter mystischer Brei.
Als ich dann die letzte Seite umblätterte hatte ich doch noch ein Erlebnis der besonderen Art:
Wenn man die Anzahl der Seiten des Buches mit 112 abzieht bekommt man die Zahl 666 (Zufall?), auf Seite 666 ist beginnend mit dem 666ten Buchstaben das umgekehrte Kreuzzeichen schlagend der Name "SATAN" zu lesen", und zuletzt nach dem Lesen legte ich das Buch auf meinen Plattenspieler und spielte es mit der Geschwindigkeit von 6,66U/s ab.
Beim Drehen des Buches erschien auf dem blutroten Rücken eine Fratze - ich erschauerte und brach den Versuch ab.
Quod erat demonstrandum.
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