Leser-Rezension zu „Das schwarze Blut” von Jean-Christophe Grangé

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anushka anushka
Verfasst von anushka
am 6.06.2010
 

Das perfide Spiel mit dem Mörder

In Malaysia wird der Franzose Jacques Reverdi verhaftet. Er wurde auf frischer Tat mit einem blutüberströmten Frauenkörper erwischt und ihm wird mindestens ein weiterer Mord in Kambodscha zur Last gelegt. Nun steht ihm in Malaysia ein Gerichtsverfahren und die Todesstrafe bevor.
In Paris erfährt unterdessen der Sensationsreporterr Mark Dupeyrat von der Verhaftung. Seit Jahren befasst er sich mit Kriminalfällen und will unbedingt die Natur des Bösen aufdecken. Ein Interview mit Reverdi würde seiner bisherigen Arbeit die Krone aufsetzen. Doch Reverdi gibt keinerlei Interviews. Da kommt Mark die Idee, sich als Frau, die in Reverdis Beuteschema passt, auszugeben. So entspinnt sich langsam eine Beziehung zwischen der fiktiven Elisabeth und dem Mörder Reverdi. Als dieser nach einem Foto verlangt, schickt Mark ihm das Foto einer Bekannten - im festen Glauben, dass Reverdi das Gefängnis niemals mehr lebend verlassen wird ... ein folgenschwerer Irrtum.

Ich weiß überhaupt nicht, wie ich dieses Buch bewerten soll. Eine Sterne- oder Punktevergabe wird der Komplexität des Buches überhaupt nicht gerecht. Mark treibt ein perfides Spiel mit einem wahnsinnigen Mörder. Es geht um Abgründe und Tiefen, metaphorisch verknüpft mit Reverdis früherer Karriere als Freitaucher. Daher geht es auch oft ums Tauchen, aber auch um die menschlichen Abgründe. Der Autor nimmt den Leser mit auf eine Reise in den Wahnsinn quer durch Südostasien und der Leser jagt mit Mark gemeinsam den Hinweisen hinterher, was ihm gleichzeitig Gänsehaut über den Körper und Frost ins Herz jagt. Reverdi ist krankhaft besessen von Blut und Mark gerät immer tiefer in die Gedankenwelt des Mörders hinein. Bald verwischen die Grenzen zwischen Marks und Reverdis Verhalten. Der Leser will immer wieder rufen: "Lass dich nicht darauf ein! Kehr um und verschwinde!". Schon oft haben Bücher versucht, diese Grenze zu überschreiten, aber Grangé ist es in meinen Augen wirklich gelungen. Ich habe ihm diese Verwischung wirklich abgenommen.
Aber gleichzeitig fand ich etliche Szenen so abstoßend, dass ich das Buch am liebsten abgebrochen hätte. Vor allem die Szenen im Gefängnis sind äußerst brutal. Ein sadistischer Gefängnisaufseher, Vergewaltigungsszenen unter Männern und ein Reverdi, den das absolut kalt lässt, während ich am liebsten Augen und Ohren zugehalten hätte. Auch fällt Reverdi gegen Ende der Geschichte stark aus seinem modus operandi, sodass ich das eher unrealistisch fand.

Fazit: Trotz brutaler Szenen zog mich mich das Buch in seinen Bann. Grangé schafft es sehr überzeugend, die Grenzen zu verwischen, sodass der Leser dem Protagonisten glaubt, wenn er zwischen Realität und Wahn nicht mehr unterscheiden kann. Und auch mein Herzschlag beschleunigte sich mit dem des Protagonisten, nicht nur nach Reverdis Ausbruch, sondern bereits während Marks Reise durch Sübostasien. Immer wieder mußte ich über die Schulter blicken und die dunklen Ecken meiner Wohnung absuchen, so paranoid machte mich dieses Buch. Eine deutliche Bewertung fällt mir aber schwer.

 

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Das schwarze Blut Das schwarze Blut
Jean-Christophe Grangé

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Das schwarze Blut
von Jean-Christophe Grangé

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