Rezension verfasst vor 3 Jahren
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** ACHTUNG, meine Rezension enthält Spoiler! Wer sich davon die Lust am Lesen/Hören nicht verderben lassen möchte, sollte vielleicht nicht weiterlesen! **
Der Plot klingt abenteuerlich und zog mich sofort in seinen Bann: In Asien wird ein Frauenmörder festgenommen und in ein Gefängnis gesteckt, wo er auf seine Hinrichtung wartet. Ein Pariser Journalist soll für seine Zeitung einen Artikel über diesen Fall schreiben. Er täucht vor, eine Frau zu sein und beginnt so einen Brief- und E-Mail-Kontakt zum Mörder. "Sie" gibt vor, von ihm lernen zu wollen (da habe ich zum ersten Mal gestutzt) und er schickt sie mit Briefen und E-Mails auf seine Fährte quer durch Asien.
Dann nimmt die Geschichte Fahrt auf: Man kommt sich vor, als erkunde man mit ihm gemeinsam die fremde asiatische Welt und dringt nach und nach immer tiefer in die skrupellosen Machenschaften des Mörders ein. Man versteht die Gedankengänge des Journalisten und ist fasziniert und abgestoßen, wenn man ihm bei seinen Entdeckungen quasi über seine Schulter guckt.
Doch kaum hat er alles herausgefunden, kommt das Ende ziemlich schnell: Er reist nach Frankreich zurück, schreibt einen Roman, wird berühmt, der Mörder entkommt auf sonderbare Weise, rächt sich am Journalisten, wird für tot und doch nicht tot gehalten, es kommt zum Showdown und fertig.
Dieses Abfrühstücken kam mir so vor, als habe der Autor entweder keine Lust mehr gehabt, die sorgsam gesponnenen Fäden am Ende sauber zusammen zu führen oder als hätte er einen Abgabetermin einzuhalten und musste schnell zu einem Ende kommen.
Ohne Frage sind die Beschreibungen zwischendurch detailreicher, als man sie sich eigentlich gewünscht hätte. Doch dies macht den Reiz des Buches irgendwo aus.
Für meinen Geschmack sind die Charaktere Marc und Kadidscha fragwürdig und viel zu oberflächlich. Marc wird über die ersten drei Viertel des Buches gut und glaubwürdig eingeführt doch am Ende fällt alles wie ein Kartenhaus zusammen und ist nicht mehr wirklich glaubwürdig.
Kadidscha erscheint mir ein an den Haaren herbeigezogener Charakter, der sich auch noch total untypisch verhält. Sie scheint treu-doof alles zu glauben, was andere Leute ihr erzählen, obwohl sie es auf Grund ihrer Kindheitserfahrungen doch eigentlich besser wissen müsste. Auch ist sie so blauäugig, bei Marc zu bleiben und sich um ihn zu kümmern, obwohl er an ihrem Schlamassel doch eigentlich Schuld hat.
Ein großes Lob an den Leser des Hörbuches! Joachim Kerzel ist vielen bekannt als die deutsche Stimme von Jack Nicholson, Dustin Hoffman oder Sir Anthony Hopkins. Eine sonore, volltönende Stimme, die einem die Gänsehaut über den Körper kriechen lässt.
Fazit: Ein bis zum Rückflug des Journalisten nach Europa sehr spannender, erschreckender und teilweise ekelhafter Thriller, der einem die Haare zu Berge stehen lässt. Danach fällt die Geschichte leider ziemlich steil ab und endet in einem unglaubwürdigen Finale. Schade!
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