Leser-Rezension zu „Der Blutkristall” von Jeanine Krock
am 24.09.2011
Vivianne Causantín ist eine geborene Vampirin und damit eine Seltenheit in der Vampirwelt. Um ihre Sicherheit zu gewährleisten, muss ihre Identität um jeden Preis geheim bleiben. Aus diesem Grund fungieren ihre eigentlichen Brüder Asher und Kieran in der Öffentlichkeit als ihre Liebhaber. Vivianne ist jedoch nicht der einzige Schatz in der Familie. Seit vielen Jahren zählt der Blutkristall, ein magisches Juwel mit großer Macht, das einst dem Feenvolk gehörte, zu ihrem Besitz und Vivianne wurde von ihrer Familie zur Wächterin bestimmt. Als sie eines nahenden Morgens von einem Pariser Club in ihre Wohnung zurückkehrt, findet sie einen Fremden und eine blutende (fast) Leiche vor und muss mit Schrecken feststellen, dass der wertvolle Kristall gestohlen wurde. Ihre Brüder einzuschalten, die sie nur für unfähig halten würden, fällt ihr im Traum nicht ein und so bleibt ihr nur eine Wahl, die Hilfe des Fremden, der sich als Morgan vorstellt, anzunehmen. Gemeinsam begeben sie sich auf eine abenteuerliche Suche nach dem Kristall mit Verfolgungsjagt-Charakter, die sie schließlich von Paris bis nach Berlin führt. Dort angekommen überschlagen sich die Ereignisse. Nicht nur das ihnen der ominöse Dieb immer wieder entwischen kann zerrt an den Nerven, auch ein Besuch beim Stadthalter ist fällig, der alles andere als positiv und ehrlich wirkt. Neben dem geben ihr auch Sebastian, ein zwiespältiger Typ und Cyron, den Vivianne bereits aus Paris kennt, viel Stoff zum Nachdenken. Noch mehr denkt sie jedoch an Morgan und ihre Gefühle für ihn werden immer intensiver. Da er sie ständig aus gefährlichen Situationen rettet, in die sie sich dank ihrer Eigensinnigkeit, selbst manövriert hat, kommt sie ihm dadurch unweigerlich näher.
Jeanine Krock´s lebendiger und flüssiger Schreibstil gibt das Tempo durch die handlungsintensive Geschichte an und bringt den Leser dazu sich ganz und gar auf die Emotionen, Geheimnisse und Stimmungen im Buch einzulassen. Ihre detailierten Beschreibungen der Städte Paris und Berlin wirken sehr realitätsnah und bildlich.
Auch ihre Personen weisen die unterschiedlichsten Charakterzüge auf und gewähren dem Leser einen tiefen Einblick in ihre jeweilige Persönlichkeit. Einige von ihnen sind von Geheimnissen und Rätseln umgeben, die es zu lösen gilt. Cyron der mysteriöse Barkeeper ist einer davon genau wie Nabrah, Viviannes Beschützer in Rabengestalt.
Die humorvollen Dialoge zwischen Morgan und Vivianne lockern die gesamte Stimmung auf und brachten mich das ein oder andere Mal zum Lachen. Besonderer Reibungspunkt der beiden war Viviannes überspanntes Modebewusstsein und ihr Hang zur Dramatik in diesem Punkt. Man spürt jedoch deutlich ihre Veränderung vom anfangs naiven Modepüppchen zum mehr nachdenkenden, verständnisvollerem Vampir. Auch wenn das Hauptaugenmerk in diesem Teil nicht auf der Romanze der beiden Hauptprotagonisten, sondern auf der Suche nach dem Blutkristall liegt, gibt es Momente in denen es zwischen Vivianne und Morgan heftig knistert und sie sich der anziehenden Wirkung des anderen nur zu deutlich bewusst sind.
In der Geschichte am meisten überrascht hat mich Cyron der mit seinen Enthüllungen am Schluss noch mal alles auf den Kopf stellt und die ganze Geschichte in ein anderes Licht rückt.
Insgesamt kann ich dieses Buch mit bestem Gewissen weiter empfehlen!

