Rezension zu "Ein Riss im Himmel" von Jeannie A. Brewer

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MiSS SPEECHLESS

Vor 1 Jahr

(10)

Der neuste Roman ist es nicht, aber das Thema, um das es geht, ist nach wie vor ein großes und wichtiges, über das aber leider immer noch nicht genug gesprochen wird: Aids.

Ungefähr die erste Hälfte des Buches handelt darüber, wie sich der Medizinstudent Eric und die Künstlerin Alex kennen lernen und sich ineinander verlieben. Sie steckt noch in einer Beziehung, die ihr zwar Sicherheit und Stabilität bietet, aber sie nicht glücklich macht. Eric hält sich im Hintergrund, bedrängt sie nicht, lässt sie aber wissen, dass er mit ihr zusammen sein möchte. So kommt es dann auch, dass sie sich aus ihrer alten Beziehung befreit. Ähnlich wie bei einem Pflaster, wo man erst an den Kanten rumfriemelt und es leicht zieht. Man weiß, dass ein schnelles Abziehen das beste ist, weil der Schmerz dann schneller vorbei ist, aber im ersten Augenblick hat man Angst. Bis dann dieses sehr kurze Zeitfenster auftritt, das sich sehr schnell wieder schließen kann, wo man den Mut zusammensammelt, um dieses Pflaster in einem Ruck abzuziehen und dabei das ein oder andere Härchen mit herausreißt.
So ähnlich beendet Alex ihre Beziehung. Zwischen ihr und Eric entwickelt sich eine starke, leidenschaftliche Liebe. Bis dann eines Tages ihre Welt zusammenbricht. HIV tritt in ihr Leben und stellt alles auf den Kopf.

Der Leser wird nicht geschont. Man bekommt mit, wie sehr sich der Gesundheitszustand verschlechtert. Die Geschichte spielt gegen Anfang der 90er Jahre. Aids ist noch ein relativ neues Thema, die Medizin und die Forschung sind noch lange von dem entfernt, wo sie heute sind und wo sie den HIV-infizierten Menschen mit Medikamenten ein längeres Leben ermöglichen können. Eric und Alex sind einem so sympathisch, dass man beim Lesen gleich noch mehr mit ihnen leidet. Man schließt sie einfach ins Herz.

Es ist ein trauriges Buch, aber auch gleichzeitig wunderschön, weil diese Liebe auch ohne das Thema Aids so unglaublich berührend und stark ist, dass sie einem den Atmen nimmt. Das bemerkt man auch ganz besonders im letzten Kapitel, wo sich der Leser von beiden verabschieden muss, allerdings gelingt es Brewer, den Leser nicht völlig am Boden zerstört zurückzulassen. Trotz aller Trauer und dem schweren Mantel des Todes, der sich auf alles legt, kristallisiert sich ein Gedanke besonders stark heraus: dass das Leben eines Menschen nicht mit dem Tod endet. Man lebt in den Menschen weiter, die einen lieben und die man geliebt hat.
Klingt vielleicht furchtbar kitschig, aber ich denke, wenn man dem Tod begegnen muss, und das müssen wir ja alle schließlich mal, dann mit einem positiven Blick. So positiv wie es in diesem Augenblick möglich ist.
Mich hat schon lange kein Buch mehr so berührt, wie dieses.

Autor: Jeannie A. Brewer
Buch: Ein Riss im Himmel
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