Rezension verfasst vor 8 Monaten
(10)
"An dem Morgen, als die letzte Lisbon-Tochter Selbstmord beging - Mary diesmal, mit Schlaftabletten wie Therese -, wussten die Sanitäter schon genau, wo die Schublade mit den Messern war, wo der Gasherd und wo im Keller der Balken, an dem man das Seil festbinden konnte."
Das ist der erste Satz. Wir wissen das Ende der Geschichte also schon zu Beginn: Die fünf Töchter des Lisbon-Ehepaars nehmen sich im Laufe des Buches das Leben. Die Geschichte wird aus der Sicht einiger Jungs aus der Nachbarschaft erzählt. Der Autor schreibt dabei in der Wir-Perspektive - was, meiner Meinung nach, unglaublich gut gelungen ist und einen großen Teil der Faszination des Buches ausmacht. Als Leser fühlt man sich hinein versetzt in eine Gruppe aus Beobachtern, welche verschiedene "Beweisstücke" und Beobachtungen zusammen tragen; man fühlt intensiv mit und bleibt doch immer irgendwie distanziert. Als erinnere man sich an etwas, was vor langer Zeit geschehen ist. Etwas, das das eigene Leben stark geprägt hat. Man selbst erfährt nie mehr, als diese Jungs und kann deren Verzweiflung, dass man die Mädchen nicht mehr wird fragen können, warum sie dies taten, verstehen. Ja, man selbst IST verzweifelt. Und genau das ist ein wichtiger Bestandteil dieser Geschichte: Dass man eben kein außenstehender Beobachter ist, der alles weiß und alles erfährt und alles durchschauen kann. Das Gegenteil ist der Fall: Man wird mit dem Gefühl zurückgelassen, dass man immer noch nicht genau weiß, warum all das geschah. Und das ist großartig.
Sehr gut gefallen hat mir auch, wie der Autor die Umgebung der Jungs und der Mädchen zum Leben erweckt; besonders die typische Kleinstadtatmosphäre in einem heißen, amerikanischen Sommer konnte ich richtig spüren. So mag man das Buch eigentlich gar nicht mehr aus der Hand legen, auch wenn es ein eigentlich so schlimmes Thema behandelt.
1 Kommentar