Rezension zu "Dark Canopy" von Jennifer Benkau

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ferkel

Vor 11 Monaten

(8)

Großartig eingeleitet wird das Buch von Albert Einsteins Zitat: "Ich weiß nicht, womit die Menschen im Dritten Weltkrieg kämpfen. Aber im vierten werden es Keulen und Steine sein." Unsere Welt von morgen liegt in Scherben. Nach dem Dritten Weltkrieg herrschen die Percents, genmanipulierte Kampfmaschinen (weder richtig Mensch, noch Tier oder Maschine) und unterjochen die Menschen. Mithilfe der Apparatur Dark Canopy verdunkeln sie fast den ganzen Tag lang den Himmel, denn ihre Haut verbrennt im Sonnenlicht. Die 20-jährige Joy lebt bei den Rebellen außerhalb der Stadt. Nach einem Verrat gerät sie in die Hände des Feindes und wird dem Percent Neél als Soldat zugeteilt. In Gefangenschaft erfährt sie jedoch Unglaubliches und muss feststellen, dass sie sich nicht mehr sicher sein kann, was richtig und falsch ist und ob es so etwas überhaupt gibt.

"Dark Canopy" ist eine sehr gute Dystopie, die deutlich macht, wie wichtig der Frieden ist oder wie nah wir eigentlich schon am Abgrund stehen. Das Buch spielt im ehemaligen Großbritannien, ein Super-GAU in Frankreich und weitere nicht näher benannte Länder werden erwähnt. Es ist beeindruckend und erschreckend eindringlich.

Der Stil der Autorin ist packend und mitreißend, allerdings nicht unbedingt einzigartig. Er hat mich an Ally Condies Romane um Cassia und Ky erinnert. Die intelligenten Dialoge haben mir gut gefallen. Gut dosiert verwendet Jennifer Benkau treffende Metaphern und reduziert Adjektive auf das Relevante. Das heißt jedoch nicht, dass Beschreibungen blass ausfallen. Eher ist das Gegenteil der Fall, denn "Dark Canopy" ist sehr atmosphärisch, düster, mal beängstigend, mal schlicht trostlos.

Die Charaktere sind gut ausgebaut und glaubwürdig. Vor allem Neél ist sehr authentisch, mehr noch als Joy. Der Wandel der Figuren ist schlüssig. Sehr gut hat mir auch gefallen, dass Nebencharaktere wichtige Rollen spielen und nicht nur blasse Fingerpuppen sind. Zum Teil wird die Spannung durch ein paar Längen gedämpft, dann aber wieder mit der Peitsche voran getrieben. Als Leser kommt man einfach nicht mehr von der Geschichte los.

Verschiedene wichtige Thematiken werden angesprochen und Fragen werden aufgeworfen, auf die es keine eindeutige Antwort gibt. Manchmal gibt es richtig und falsch nicht. Dazu gehört der Tenor, wer Freiheit für Sicherheit aufgibt, verdient keins von beidem. Zudem ist ein zentraler Punkt der Handlung eine Liebesgeschichte, die sich jedoch nicht aufdrängt und nicht übertrieben wird. Sie steht für die Hoffnung in der Dystopie, ob sie eine trügerische ist, mag jeder Leser selbst rausfinden. Ein sehr empfehlenswertes Buch, dass ich jungen Erwachsene ab 16 Jahren nahelegen würde. Jüngeren könnte es wegen der Gewalt und anderen "erwachsenen Themen" zu sehr an die Substanz gehen.

Spannend ist das Buch vom ersten bis zum letzten Wort. Vor dem Lesen wusste ich noch nicht, dass es eine Fortsetzung geben wird. Im Grunde finde ich das Buch in sich abgeschlossen, da nur wenige Fragen offen bleiben und man sich den Schluß leicht in verschiedene Richtungen weiterdenken könnte. Aber nun bin ich gespannt darauf und hoffe, dass es für die Autorin möglich ist, dem großartigen ersten Teil eine würdige Fortsetzung hinterher zu schicken (was meiner Meinung nach zum Beispiel Ally Condie bei ihrer Dystopie nicht gelungen ist). Das Ende glänzt mit einem tollen Cliffhanger, denn es versucht nicht, aus der Dystopie noch ein Happy End zu holen - das gibt es einfach nicht. Die Welt von "Dark Canopy" ist düster und grausam wie unsere es ist oder sein könnte (ja was eigentlich?).

Autor: Jennifer Benkau
Buch: Dark Canopy
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