Diese und weitere Rezensionen findet ihr auch auf meinem Blog:
http://fantasybookshelf-buecher.blogspot.de/
Titel: Bevor ich sterbe
Originaltitel: Before I die
Autor: Jenny Downham
Seitenzahl: 320
Verlag: C. Bertelsmann (18. Februar 2008)
cbt (22. September 2008)
ISBN-13: 978-3570010044
Preis
Gebunden: 17,95€
Taschenbuch: 8,95€
C. Bertelsmann und cbt gehören jetzt beide zu Randomhouse. Anscheinend war es damals noch nicht so, weil beide Verlage dieses Buch (als Hardcover) herausgebracht haben. Ich habe mich ein bisschen gewundert, dass cbt auch die gebundene Ausgabe herausgebracht hat, weil das sonst ja meistens der cbj Verlag macht. Oder irre ich mich da?
Klappentext:
Tessa, 16, hat Leukämie. Und es gibt keine Hoffnung mehr, denn nach vier Jahren hat sie den Kampf gegen den Krebs entgültig verloren.
Doch bevor sie stirbt, will sie leben. Sie schreibt eine Liste an die Wand über ihrem Bett, mit den Dingen, die sie machen will, bevor sie stirbt. Mithilfe ihrer Freundin erlebt sie viel, geht tanzen, macht sich schön - doch als Adam auftaucht wird es noch schwieriger. Darf man sich verlieben, wenn man stirbt?
Rezension:
Wie im Klappentext schon gesagt wird, geht es um Leukämie, was ja ein ziemlich tiefgründiges Thema ist. Ich habe zu diesem Buch gegriffen, weil ich so etwas wie eine Mischung aus "The Bucket List" und "Beim Leben meiner Schwester erwartet habe (ich habe zwar nur die Filme geguckt, aber vom Thema her).
Leider muss ich sagen, dass es mir nicht so sehr gefallen hat, wie beim Leben meiner Schwester. Es war ein gutes Buch, aber ich denke beim Leben meiner Schwester übertrifft es bei weitem.
Den Schreibstil fand ich sehr gut, er war sehr melancholisch. Kurze und einfache Sätze, die aus der Ich-Perspektive im Präsens geschrieben waren und die einem die Gefühle, die Tessa hat, nähergebracht haben. Diese Melancholie wurde, durch die manchmal auftretende "ordinäre" Umgangssprache ein wenig gestört, was ich aber nicht weiter schlimm fand, denn auch durch die Anordnung der Kapitel wurde diese Stimmung unterstützt. Man folgt Tessa nicht die ganze Zeit über, sondern findet sich in jedem Kapitel in einer anderen Situation wieder. Durch ein paar Andeutungen kann man herauslesen, was vorher passiert ist, weswegen man dehalb auch nicht das Gefühl hat etwas zu verpassen. Vor allem zum Ende hin, lässt einen der Schreibstil immer mehr in Tessas Gefühle eintauchen. ich fand den Absatz sehr gut, in dem Tessa sich in ihren Gedanken sozusagen mit du angesprochen hat, weil dadurch auch der Leser sich noch mehr angesprochen hat als ohnehin schon. Die Gestaltung der letzten Kapitel war etwas anders als normal, was mir sehr gut gefallen hat.
Was mich an dem Buch zwiegespalten zurückgelassen hat, war Tessa. Keine Frage, sie hat mir Leid getan und ich konnte auch teilweise mit ihr mitfühlen und verstehen, warum sie manchmal etwas aggressiv oder verbittert ist und sich gehen lässt, weil man das ja auch nachvollziehen kann und auch ihre ab und zu eingeworfenen selbstironischen Witze fand ich gut, aber irgendwie konnte ich ihre Handlungen manchmal trotzdem nicht ganz nachvollziehen. Da wäre zuerst die Liste, die sie aufgestellt hat. Ich war am Anfang ziemlich enttäuscht, dass sie die nur auf sich bezogen hat und eigentlich keine guten Dinge daraufstanden. Das hat sich zum Ende hin gebessert. Die Liste hat auch mit dem Verhalten gegenüber ihrem Vater zu tun, was sie mir am unsympathischsten gemacht hat. Ihr Vater ist immer für sie da, macht alles für sie und man merkt richtig, wie viel Anteilnahme er nimmt und wie sehr er sie unterstützen will, da er zum Beispiel ganz viel im Internet über Heilmethoden etc. recherchiert und ein ziemlich umfangreiches Wissen über Krebs hat. Und sie, sie nutzt es aus und bereitet ihm mit ihrer Liste riesengroße Sorgen. Wenn ich Krebs bekommen würde und sich meine Eltern so rührend um mich kümmern würden, würde ich irgendwie gerade dann versuchen ihnen nicht noch mehr Sorgen zu machen. Ich fand einfach, dass da ein ziemlich großer Egoismus zutage kam, weil sie nie daran gedacht hat, dass es für ihre Eltern vielleicht auch schwer sein könnte. Es gab auch noch andere Dinge, an denen das deutlich wurde. Sie hat fast immer nur an sich gedacht. Es gab aber auch ein paar Stellen mit Zoe, wo man Tessas Fürsorge spüren konnte und man an ihren ausführlichen eigenen Recherchen ihre Ähnlichkeit zu ihrem Vater bemerkt hat, was mich ziemlich berührt und gütlich gestimmt hat. Davon gibt es aber leider eher wenige Szenen, die aber zum Schluss etwas mehr werden. Auf jeden Fall stehen dann zum Beispiel Dinge wie Drogen nehmen und so viele Gesetze wie möglich brechen auf der Liste. Diese beiden Dinge fand ich total unnötig, denn was will uns die Autorin damit sagen? Dass man noch nicht gelebt hat, wenn man noch keine Drogen genommen und Gesetzte gebrochen hat? Gut es ist eine Erfahrung, aber man sieht schon an ein paar Dingen auf der Liste, dass sie sich eigentlich selbst aufgegeben hat, was mir zu gegensätzlich zum Klappentext war. Sie wollte zum einen kein Mitleid (sehr verständlich) und zum anderen wollte sie, dass ihr alle wegen ihrer Krankheit alles durchgehen lassen (eigentlich auch verständlich, aber irgendwie im Widerspruch zu ihrer ersten Enstellung. Ich hätte Tessa vermutlich sehr gemocht, wenn sie nicht ganz so egoistisch gewesen wäre, ein bisschen Egoismus kann ruhig sein, aber ich fand es ziemlich schlimm, dass sie ihrem Vater eigentlich grundlos, manche Dinge angetan hat. Ich hätte ihr das auch noch verzeihen können, wenn wenigstens ein Vorsatz auf ihrer Liste so etwas gewesen wäre wie, einem Menschen etwas gutes tun, aber so bin ich bei ihr etwas zwiegespalten, kann sie einerseits verstehen und auch wieder nicht verstehen.
Als Adam dann auftauchte wurde es etwas besser. Allerdings konnte ich die Annäherung zwischen Adam und Tessa nicht so ganz nachvollziehen. Jedenfalls von Adams Seite aus. Aber da das Buch aus der Ich-Perspektive geschrieben ist, hat mich das nicht so gestört. Die Liebe zwischen Adam und Tessa ist sehr körperlich, man kann aber verstehen, dass Tessa sich nach körperlicher Nähe sehnt.
Zoe, Tessas Freundin, fand ich am Anfang etwas... nun ja tussig und unbedacht, aber sie macht echt eine super Entwicklung während des Buches und ist einem richtig ans Herz gewachsen.
Überhaupt waren mir fast alle Charaktere dieses Buches sehr sympathisch, weil sie sich einfach so rührend um Tessa gesorgt haben. Diese Fürsorge war es dann auch, die mich am Ende des Buches zum weinen gebracht hat.
Tiefgründig war das Buch auf jeden Fall. Man hat auch sehr gut gemerkt, wie gut hier recherchiert wurde, da auch sehr viele Fachausdrücke benutzt werden und sehr viel Wissen in den Gesprächen mit dem Arzt oder Tessas Vater und in Tessas Gedanken vermittelt wird.
Fazit:
Ein gutes Jugendbuch mit Tiefgang, das sich mit dem Thema Krebs auseinandersetzt.
(7/10)