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Vor 2 Jahren
(13)Wenn es gelänge, alle Wissensgebiete zu verknüpfen, schüfe man dann "Gottes Gehirn"? Um diese Frage dreht sich der gleichnamige Thriller. Es ist der erste Roman um den Wissenschaftsjournalisten Troller, den Johler, damals noch mit Koautor, geschrieben hat. Das ist zwar zehn Jahre her, doch das Buch hat nichts an Aktualität verloren. Es wurde jetzt neu aufgelegt, wohl auch wegen des Erfolgs des zweiten Troller-Romans "Kritik der mörderischen Vernunft." Besser als in diesen beiden Bänden lassen sich Suspense, Spannung, und gut verständliche Einblicke in die real existierende Wissenschaft kaum verbinden.
Wäre ein Superhirn tatsächlich die Lösung all unserer Probleme? Oder würde es nicht vielmehr neue schaffen? Vor allem: Wer bestimmt, ob und wie ein solches Hirn eingesetzt würde und zu welchem Preis? Im Buch spielt ein gewisser Jeff Adams eine tragenende Rolle, ein Multimilliardär dessen Vor- und Nachnamen nicht zufällig genau gleich viele Buchstaben enthalten wie die von Software-Tycoon Bill Gates. Moment mal, tut der nicht auch viel Gutes mit seinem Geld? Sicher, aber Menschen, die viel geben, können auch bestimmen, wofür. Oder wie ein kritischer Journalist vor kurzem anmerkte: Gates kann also beeinflussen, welche Krankheiten künftig als nächste ausgerottet werden. Das mag wie kleinliche Nörgelei klingen: Ist es nicht besser, das eine zu tun, selbst wenn man das andere lässt, als nichts zu tun? Das mag schon sein. Dennoch birgt Mäzenatentum natürlich auch Gefahren, und falls ich persönlich mal auf Hilfe angewiesen sein sollte, würde ich sie lieber von einem neutralen Sozialstaat gewährt bekommen als von irgendeinem edlen Spender, der mir vielleicht nebenbei noch seine Weltanschauung oder Religion aufdrücken will.
Nun ist Jeff Adams in dem Thriller nur einer der üblichen Verdächtigen, seine Darstellung ist aber ein Beispiel dafür, wie prophetisch dieses Buch ist.
Wer einen spannenden Thriller lesen will und nebenei noch unangestrengt etwas über Genetik, Künstliche Intelligenz, Hirnforschung Astrophysik und eine ganze Reihe anderer Disziplinen erfahren will, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Das gilt auch für seinen Nachfolger. Darin geht's dann darum, ob der Mensch einen freien Willen hat oder nicht. Ich jedenfalls entscheide mich heute schon freiwillig dafür, auch den dritten Troller-Band zu lesen - wenn's denn einen geben sollte. Denn was könnte nach diesen profunden Rundumschlägen in puncto Wissenschaft und Philosophie wohl noch kommen?
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