Leser-Rezension zu „Kritik der mörderischen Vernunft” von Jens Johler
am 19.03.2009
Troller, Wissenschaftsjournalist bei der Zeitung „Fazit“, erhält eine email mit folgendem Inhalt: „Ich werde in dieser Nacht mit unserer praktischen Kritk beginnen. - Kant“ . Zunächst hält er das ganze für einen dummen Scherz, bis die nächste Mail eintrifft: „Ich habe in Professor Ritters Hirn nach Spiegelzellen gesucht. Befund negativ. - Kant“ Kurz darauf wird der Wissenschaftler Ritter, der im Bereich der Hirnzellenforschung tätig war, tot aufgefunden. Bei der Leiche findet die Polizei zudem noch einen Zettel mit einem Zitat aus Trollers Buch. War es das Werk von militanten Tierschützern? Oder gibt es eine Verbindung zu einem Geheimbund? Troller beginnt, mit seiner Lebensgefährtin und Kollegin Jane zu recherchieren, und auch als ein weiterer Anschlag auf einen Wissenschaftler verübt wird, nimmt der Mörder – Kant – Kontakt zu Troller auf. Schnell gerät er dabei selber unter Verdacht, vor allem als der Täter sich bei seinem dritten Mord Trollers Identität leiht ….. ein internationales Katz-und Mauspiel beginnt, wobei sein etwas schwieriges Verhältnis zu Jane keine unbedeutende Rolle spielt.
Nach dem Klappentext und der Leseprobe zu „Kritik der mörderischen Vernunft“ von Jens Johler war ich erst skeptisch, ob es einem Thriller aus dem Bereich der Wissenschaft gelingen würde, meine Aufmerksamkeit für die Dauer eines Buches zu fesseln, oder ob das Haupthema zu trocken dargestellt ist und ich das Buch nach 100 Seiten wieder aus der Hand lege. Aber weit gefehlt. Das Buch ist nicht nur ein spannender Thriller, sondern der Autor schafft es zudem, lehrreiche Themen aus dem Bereich der Wissenschaft spannend und informativ an den Leser zu bringen. Besonders überrascht war ich, das er nicht nur viele brisante und hochaktuelle Themen mit Fingerspitzengefühl angesprochen hat, sondern auch moralische und ethische Fragen um Hirnzellenforschung, Sterbehilfe und Tierversuche diskutiert wurden. Der Konflikt zwischen Möglichkeiten und Verantwortung gegenüber den Menschen und auch Tieren wird dabei besonders gut herausgearbeitet und anschaulich dargestellt.
Wer einen 08/15-Thriller in schwarz-weiß-Abstufung sucht, liegt mit diesem Buch falsch – geboten wird eine intelligente Geschichte, eine komplexe Handlung, eine kontroverse Diskussion in einer leicht zu lesenden und locker geschriebenen Verpackung. Zudem gerät der Leser in ein echtes Dilemma, da die Opfer in diesem Falle Thesen wie „Ein kaltblütiger Mörder hat das Pech, eine so niedrige Tötungsschwelle zu haben“ vertreten, was den Mörder an mancher Stelle schon fast sympathisch erscheinen lässt. Trollers Konflikt zu „seinem terroristischen Arm“ ist sehr schön dargestellt, vertritt Kant doch eigentlich nur etwas zu vehement seine Meinung. Spätestens am Ende kann man das Buch dann nicht mehr aus der Hand legen – die Auflösung ist logisch, die Handlungsfäden werden zusammengeführt und alle offenen Fragen beantwortet.
Interessant ist auf jeden Fall auch das Nachwort des Autors, in dem er über Fiktion und Realität aufklärt und auf verschiedene Quellen verweist. Ein brisantes Thema, gut recherchiert, interessant und spannend verpackt – wirklich ein Thriller, der in der oberen Klasse mitspielen kann.

