Rezension verfasst vor 5 Monaten
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Rifkin erörtert zunächst auf gut der Hälfte des Buches die historische Entwicklung der Menschheitsgeschichte unter dem Gesichtspunkt der Empathieentwicklung. So zum Beispiel die für viele bekannten medizinisch-psychologischen Experimente an jungen Affen oder Babys, von menschlichem Kontakt fernzuhalten. Diese Forschungsergebnisse werden mit der Entwicklung von Empathie in Menschengruppen der Vorzeit parallel gesetzt. Deutlich werden soll so der Zuwachs emotionaler Fähigkeiten, die die Menschheit in den letzten Tausend Jahre zu verbuchen hat. Dem folgen in einem eigenen Kapitel historisch-chronologische Erörterungen zur Menschheitsgeschichte der jüngeren Zeit, also der letzten ca. 300 Jahre. – Hierzu will ich nicht viel schreiben, denn es wird davon auszugehen sein, dass der interessierte Leser sicher nicht völlig ohne Vorkenntnisse an die Lektüre herangehen wird. Manchen wird daher die Wiederholung bekannter Fakten langweilen; nichts neues schreibt Jeremy Rifkin, seine Deutungen und Beweisführungen hin zu einem größeren Empathiepotential in der Gesellschaft sind auch weder unlogisch noch unbekannt. Ein wenig kam bei mir Langeweile auf; ich habe weitergeblättert. Ebenso fiel mir ein – mitunter naiver – Optimismus auf: zwar haben Globalisierung und Wissensangleichung, Alphabetisierung und Internetrevolution zu einer größeren Vernetzung der Menschen geführt, doch für mich ist eben nicht zwangsläufig, dass wir dann automatisch mit den anderen Menschen mitfühlen, uns nachhaltig engagieren und vielleicht sogar auf eigenen Wohlstand verzichten würden, um dem Afrikaner eine Schulbildung zu ermöglichen. Für so einfach lösbar halte ich die globalen Probleme nicht, denn schon vor dem Internetzeitalter gab es über religiöse Netzwerke sehr wohl die Möglichkeit von Unterstützung und Patenschaften; zu einer signifikanten Erhöhung der Empathiebereitschaft dürfte es wohl nicht gekommen sein. Ich bin da etwas zweifelnd.
Insgesamt war ich mit großen Erwartungen an das Buch herangegangen und war mittelmäßig enttäuscht. Eine Mentalitätsgeschichte hatte ich nicht erwartet. Hier und da auch mehr kritische Reflektion. Wenn die Welt wirklich so empathisch wäre, hätten wir heute nicht diese Probleme oder würden sie jetzt intelligenter lösen.
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