Leser-Rezension zu „Einmal im Leben” von Jhumpa Lahiri
am 19.07.2009
**Muss das Leben so grausam sein?**
Ich weiß nicht mehr, wie ich auf dieses Büchlein aufmerksam geworden bin, aber ich bin froh, dass ich Jhumpa Lahiris „Einmal im Leben“ gelesen habe, denn es ist so tragisch aus dem Leben gegriffen, dass ich am Ende fast hätte weinen können.
Hema ist schon eine Weile mit Kaushik verbunden und zwar seitdem ihre Familie nach Amerika gekommen ist und sich beide Eltern miteinander angefreundet haben. Kaushiks Familie beschließt aber nach einiger Zeit, wieder zurück nach Indien zu gehen. Doch nach ein paar Jahren kehren sie wieder zurück, aus einem ganz bestimmten Grund, der aber zunächst ein Geheimnis bleiben soll. Hema, mittlerweile 13 Jahre alt, ist hin und weg von Kaushik, der nun 16 Jahre alt ist. Aber er bemerkt sie kaum und ihre Wege trennen sich, als seine Eltern ein eigenes Haus gefunden haben, in welches sie ziehen können. Beide Familien haben kaum noch etwas miteinander zu tun, erst als ein tragisches Schicksal Kaushiks Familie ereilt, wird klar, warum sie zurück nach Amerika gekommen sind. Nach ein paar Jahren, vielmehr, über zwei Jahrzehnten, kreuzen sich die Wege Hemas und Kaushiks noch einmal und sie beginnen eine leidenschaftliche Beziehung, die aber ein tragisches Ende findet.
Das Leid und die Tragik dieses Buches rühren den Leser sehr an, man fühlt, wie die Personen leiden und ist selbst traurig, dass so viel Schlimmes in dieser Welt passiert. Die 175 Seiten des Romans fesseln von vorn bis hinten und man kann dieses Buch eigentlich nur in einem Stück durchlesen. Es ist in drei große Abschnitte geteilt. Der erste ist aus Hemas Sicht geschildert und direkt an Kaushik gerichtet. Der zweite Teil hingegen ist aus der Perspektive von Kaushik erzählt, dieses Mal direkt an Hema. Diese direkte Anrede an den jeweils anderen ist zunächst für den Leser befremdlich, doch entwickelt sich daraus nach ein paar Seiten ein ganz eigener Charme, denn man spürt, wie sehr diese beiden doch aneinander gebunden sind. Der letzte Abschnitt des Buches wird in der dritten Person beschrieben. In diesem Teil treffen sich Hema und Kaushik nach vielen Jahren wieder und es ist interessant, diesen Zeitabschnitt nun von als dritte Person von außen zu betrachten, was aber die Geschichte nicht weniger einfühlsam und zugleich traurig macht. Am Ende des Buches musste ich erst einmal tief durchatmen und meine Tränen zurückhalten. Jhumpa Lahiri Erzählstil ist so schön und gefühlsbetont, sodass die Erfahrungen und Probleme der Protagonisten direkt für den Leser erfahrbar werden. Ein Buch, welches jeder gelesen haben sollte, unbedingt!

