Rezension zu "Vater unser" von Jilliane Hoffman

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schuker

Vor 1 Jahr

(8)

In Miami werden eine Mutter und ihre drei kleinen Kinder brutal ermordet. In der Nacht, in ihrem eigenen Haus, in ihren Betten. Der mutmaßliche Täter: der Ehemann und Vater, Dr. David Marquette. Doch es stellt sich die Frage, ob er für die Morde verurteilt werden kann. Die Verteidigung behauptet, dass Marquette an Schizophrenie leidet und sich zum Zeitpunkt der Morde in einem psychotischen Wahnzustand befand. Die Anklage zweifelt daran und hält den Arzt für einen gerissenen Lügner und Simulanten. Er wollte seine Familie loswerden, um die Lebensversicherung in Millionenhöhe zu kassieren. Staatsanwältin Julia Valenciano will die Wahrheit herausfinden und stolpert dabei über ihre eigene Vergangenheit. Lange vergessene und verdrängte Erinnerungen lassen sie an ihrer Aufgabe zweifeln und bringen sie in eine ausweglose Lage.

Der Plot klingt vielversprechend, doch leider enttäuscht dieser Thriller auf ganzer Linie. Nach dem wirklich guten Erstling Cupido folgte der völlig überflüssige Fortsetzungsthriller Morpheus. Vater Unser sollte wohl einen Neustart bedeuten. Neue Charaktere, neue menschliche Dramen. Leider ist dies der Autorin nicht gelungen. Wer hier einen spannenden, knallharten Justizthriller erwartet inklusive unerwarteter Wendungen, juristischer Kniffe und einem brilliant charismatischen Bösewichts, der wird definitv enttäuscht werden. Denn das gibt es alles nicht. Es handelt sich bei diesem Thriller um eine fast 600 seitige Abhandlung über Schizophrenie und das Seelenleben der Staatsanwältin Julia Valenciano. Auf die Morde und die Gerichtsverhandlung wird nur kurz zu Beginn und gegen Ende des Buches eingegangen. Und zwischendrin hat man dann noch das Gefühl, als hätte sich die Autorin Hoffman noch schnell mit ihrer Kollegin Karen Rose ausgetauscht, denn es tauchen gleich zwei umverschämt gutaussehende und charmante Männer auf, mit denen die Protagonistin mal kurz ins Bett hüpft. Unwahrscheinlich. Und dass die Protagonistin ganz zufälligerweise derart persönlich von den Hintergründen der Morde berührt wird, ist auch äußerst unrealistisch. Was fehlt, sind die kompletten Ermittlungen der Polizei. Mir selbst sind so viele Fragen in den Sinn gekommen, die die Polizei und die Staatsanwaltschaft einfach nicht gestellt haben. Dabei legt Hoffman einige vielversprechende Fährten aus, die sie aber von ihren Figuren nicht verfolgen lässt und die am Ende einfach nur einen ratlosen Leser zurücklassen. So ist der Schluss recht unbefriedigend und lässt sehr viele Fragen offen.
Positiv bewerten muss ich allerdings, dass sich das Buch trotz der Handlung immer noch recht flüssig lesen lässt und es nach den ersten quälend langweiligen 200 Seiten doch noch einigermaßen spannend wird. Man wartet eben ständig auf die große Offenbarung. Die dann leider doch nie eintritt.

Autor: Jilliane Hoffman
Buch: Vater unser
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