Über das Buch:
Harry Hole ist am Ende, er vegetiert mehr, als dass er lebt, in Hongkong - zu seinem bekannten Alkoholproblem gesellen sich inzwischen noch Opiumkonsum und Spielschulden bei der Mafia. Nachdem Oslo von einem grausamen Serienmörder heimgesucht wird, versucht Kaja Solness, eine neue Kollegin, Harry zur Rückkehr und Mitarbeit zu bewegen. Erst als er erfährt, dass sein Vater im Sterben liegt, willigt er ein.
Zurück in Oslo erwartet ihn nicht nur Mordfälle, die mit einer außergewöhnlichen Mordwaffe begangen wurden, sondern auch das Kompetenzgerangel zwischen dem (alten) Dezernat für Gewaltverbrechen und dem (neuen) Kriminalamt, geleitet von Mikael Bellham, dem keine Intrige und kein Trick zu schmutzig ist, um die Ermittlungserfolge auf sein Konto gehen zu lassen. So ermittelt Harry (geheim) zwischen Norwegen und Afrika (wo er auf die Mordwaffe stößt) und zwischen Freund und Feind, denn vieles ist nicht so, wie es auf den ersten Blick scheint.
Meine Meinung:
"Leopard" ist der achte Band um die Reihe mit Harry Hole und bei diesem Buch muss ich sagen, dass es von Vorteil ist, wenn man zumindest den Vorgängerband "Schneemann" gelesen hat. Zum einen verrät dieses Buch einiges von dem vorhergehenden Fall (was dem Leser einiges an Spannung nehmen würde, obwohl der richtige Name des Schneemanns nicht verraten wird), zum anderen fehlen dem Leser einige Zusammenhänge, warum sich zum Beispiel Katerine Bratt in einer psychiatrischen Klinik aufhält oder warum die Beziehung/der Kontakt zu Rachel und ihrem Sohn Oleg komplett abgebrochen ist.
Jo Nesbø schafft es, auf über 700 Seiten eine gut ausgearbeitete, detailreiche und komplexe Geschichte zu erzählen, bei der es dem Leser nicht langweilig wird und bei der auch der Überblick nicht verloren geht. Der Schreibstil ist angenehm, für dieses Genre sicherlich etwas gehobener, trotzdem teilweise auch etwas derb. Es gelingt ihm Stimmungen zu vermitteln, die den Leser am Geschehen teilhaben lassen und die dem ganzen eine gewisse Glaubwürdigkeit verleihen, auch hier wird das eine oder andere Klischee bemüht, aber es stört in diesem Kontext nicht. Die beschriebenen Personen und auch die Nebenhandlungen sind tragfähig, ebenfalls gut ausgearbeitet und sind nicht nur belanglose Füllinformationen. Der Plot ist gut ausgedacht, überzeugend inszeniert und kaum zu durchschauen und zieht den Leser in einen Strudel aus Gewalt, Rache, Verrat und Hass. Anfangs werden nur dem Leser einige falsche Fährten präsentiert, im Laufe der Geschichte wird aber auch Harry Hole wiederholt auf die falsche Spur gelenkt.
Auch bei diesem Buch muss man sich als Leser wieder etwas an die doch recht häufig gebrauchten norwegischen Begriffe gewöhnen. Auch die Liebesgeschichte ist erträglich und es gibt (Spoiler - alle die es noch nicht gelesen haben - nicht weiterlesen) kein Happy End.
Der Leopard hat alles, was ich mir von einem Krimi, bzw. Thriller wünsche - (glaubwürdige) Wendungen und Überraschungen, Handlung (ausführlich, da wo nötig, aber kein unnötiger Ballast), Tempo, Raffinesse und immer kombiniert mit stetig steigender Spannung.
Mein Fazit:
Wieder ein nordisches Highlight.