Rezension verfasst vor 5 Tagen
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Es gab vor einigen Jahren einen Film namens "Sin City", in der Robert Rodriguez der gleichnamigen Graphic Novel-Serie von Frank Miller cineastisches Leben einhauchte. In einer Episode stand der von Bruce Willis verkörperte Cop Hartigan im Mittelpunkt, der kurz vor der Pensionierung stehend ein vermißtes Mädchen aufspürt. Dabei wird er getreten, geschlagen, angeschossen, vom Partner verraten, halbtot liegengelassen, um am Ende doch wieder mit letzter Kraft auf die Beine zu kommen und den Bösen zur Strecke zu bringen. Vielleicht auch, um die verlorene Selbstachtung zurückzuerobern.
Und ein solcher Stehaufmann ist auch Harry Hole. Prügeleien gehören ohnehin zum Tagesgeschäft des Mordermittlers, dazu kommen der Alkohol, das Opium, Spielschulden in Hongkong, aufreibende Machtkämpfe innerhalb der Osloer Behörden und schließlich sogar eine Lawine. Hole überlebt alles. Doch der Triumph am Ende der Geschichte, den er mit ausgerenktem Kiefer erringt trägt den von Zweifeln durchtränkten schalen Beigeschmack eines Pyrrhussieges
Handelt es sich bei "Leopard" tatsächlich um die klassische Jagd auf einen Mörder, dessen Motive zunächst lange im dunklen bleiben? Oder dient diese nicht vielmehr als Vorwand für den Autor, um seine Leser auf eine lange Irrfahrt durch Harry Holes verwüstete Seele zu schicken?
Jo Nesbo versteht es, von Beginn an zu fesseln und die Spannung über weite Strecken seines umfangreichen Werkes aufrecht zu erhalten, indem er Situationen schildert, die Identitäten der Akteure jedoch verschweigt. So nimmt der vorliegende Fall eine Komplexität an, der nicht mit einem einmaligen Knalleffekt, sondern behutsam im Abtragen einzelner Zwiebelschalen aufgelöst werden kann. Ganz offensichtlich überschätzt allerdings der Autor die Anzahl dieser Schichten, denn gerade das Finale in Afrika wirkt erzwungen, unpassend, will die verbliebenen Lücken nur mehr widerwillig ausfüllen.
So drängt sich am Ende des Buches wieder die Analogie Holes zu Hartigan auf, der von den ruahen Stürmen des Schicksals gebeutelt exponiert im Bild zurückbleibt, um über sein Leben zu resümieren ...
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