** Inhalt **
Im Prolog steigen Vater und Sohn zur eigenen Hütte auf und finden dort mehrere verweste Leichen.
Teil eins „ Bergwinter“ verrät dem Leser, dass die Brüder Hiemer, Bergbauern im Mägertal, illegale marokkanische Leiharbeiter organisiert haben, um das große Geld zu machen. Doch es läuft nicht wie geplant. Die Leiharbeiter sind nicht so blöd und primitiv wie erwartet und haben auch Ansprüche. Der krasse Klimaumschwung von Hitze und Wüste zu tiefem Winter in den Allgäuer Alpen macht ihnen zu schaffen und nicht zu letzt ist die Arbeit hart und menschenunwürdig. Als die Marokkaner hohes Fieber bekommen, welches mit massivem Durchfall einhergeht, nimmt die Tragödie ihren Lauf.
Im zweiten Teil „Frühling“ gründet Kommissar Brunner eine SOKO wegen der Leichen in der Berghütte, denn diese sind mit einem bislang unbekannten Virus infiziert. Er zieht auch den Journalist Robert Walcher hinzu. Stimmt ja, der ist ja wohl die Hauptperson, denn der Untertitel des Buches lautet „ Ein neuer Fall für Robert Walcher“.
Wer jetzt hinter diesem Virus steckt und wer alles in diesen Fall verwickelt ist, soll nun herausgefunden werden.
So, mehr will ich nicht verraten, obwohl das Buch mehr als vorhersehbar ist.
** Mein Meinung **
Als ich die ersten 24 Seiten in der Leseprobe las, fand ich das Buch absolut lesenswert und spannend. Ich hoffte, ein Gratisexemplar zu erhalten, um das Ende zu erfahren. Damit ist ja schon mal klar, dass Buch beginnt mit einem Knaller, dem Leichenfund, und startet somit auf sehr hohem Spannungsniveau. Es war zu erwarten, dass dieses Niveau nicht kontinuierlich zu halten ist, aber ich hatte schon angenommen, dass es sich mindestens in Wellen weiter bewegt und ich das Buch deshalb nicht aus der Hand legen kann. Aber leider kam diese Welle nicht in Wallung. So hoch der Spannungseinstieg auch war, so tief ist er gefallen. Im Laufe des Buches kamen ein / zwei Situationen, die ich noch als recht interessant empfand, aber im Vergleich zum Einstieg, war das nicht mal die Hälfte der Spannung.
Das ausführliche und sehr bildliche Erklären empfand ich zu Beginn als sehr angenehm. Führte es doch den Leser sehr anschaulich in die Gegend und die Handlung ein. Auch die Charaktere wurden in vielen Facetten vorgestellt. Nicht nur ihr jetziges Erscheinungsbild, nein, auch ihr Denken und Teile ihrer Vergangenheit sollten das Bild der einzelnen Personen abrunden. Doch dies ist Rangnick bei mir nicht gelungen. Einerseits wurden die Erklärungen schnell langatmig und für mich langweilig und andererseits konnte er mir die Charaktere nicht wirklich nahe bringen. Ich betrachtete sie nur aus der Beobachter-Perspektive und warm geworden bin ich mit keiner Person, geschweige denn, dass ich mich mit einer hätte anfreunden oder sogar identifizieren können. Mit keiner Person konnte ich mitleiden, es nahm mich einfach keine gefangen. Es liegt eventuell auch daran, dass die Figuren doch recht klischeehaft rübergebracht wurden. Im Mägertal wohnen die Bauern, die doof sind und Konsequenzen nicht bedenken und Kommissar Brunner und Journalist Walcher sind die, die die Logik und Schlauheit mit Löffeln gefressen haben.
Allerdings muss ich Rangnick zugute halten, dass sein Schreibstil gut und flüssig zu lesen ist. Es gibt zwar nicht nur kurze Sätze, aber auch die über 5 Zeilen gehenden Sätze lassen sich leicht lesen, weil sie gut strukturiert sind. Auch inhaltlich ist das Buch recht schlüssig, wenngleich es mir doch schleierhaft ist, warum eine Informantin Walchers vorhersehbar kurz nach der Informationsübergabe bei einem Unfall ums Leben kommt und er selber trotz seiner penetranten und direkten Art noch nicht mal ansatzweise verletzt wird.
Auch wenn das Buch heiße Themen wie illegale Leiharbeiter, kriminelle Machenschaften der Pharmaindustrie und undurchsichtige Firmenkonglomerate aufgreift, konnte es mich nicht überzeugen und in seinen Bann ziehen. Ich habe das Buch nur zu Ende gelesen, weil ich die Rezi schreiben wollte, nicht, weil ich das Ende erfahren wollte.
** Fazit **
So klasse das Buch begann, so klasse hat es mich enttäuscht. Die anfängliche Spannung wird nie wieder erreicht und die langatmigen Beschreibungen, die nach einiger Zeit echt langweilig sind, tragen auch zum Spannungsabfall bei. Bis auf ein / zwei Situationen, in denen ich weiter las, um den Fortgang der Geschichte zu erfahren, gab es gar keine Spannung mehr. Es war eine Aufzählung der Dinge. Okay, der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen, aber ich hatte häufig das Gefühl, ich lese einen Zeitungsartikel, so „dröge“ kam alles rüber. Die Handlung ist vorhersehbar und die Charaktere konnten mich trotz ausführlicher Beschreibung nicht in ihren Bann ziehen.
Auf jeden Fall bin ich froh, dass ich das Buch geschenkt bekam, denn ich hätte mich sonst über die 8,99 Euro echt geärgert.
Ich kann das Buch nicht empfehlen und meine Bewertung ist mit viel Wohlwollen ein Stern.