Leser-Rezension zu „Beim Leben meiner Schwester” von Jodi Picoult
am 8.02.2012
Auf den ersten Blick sind die 13-jährige Anna und ihre ältere Schwester Kate Fitzgerald ganz normale Geschwister: sie mögen sich, helfen sich, sind füreinander da und oft streiten sie sich auch. Auf den zweiten Blick jedoch wird klar, dass in einer Extrem-Situation leben: während Kate mit einer heimtückischen Leukämie-Krankheit kämpfen muss, steht ihre Schwester Anna in Notfällen für sie als "menschliches "Ersatzteillager" zur Verfügung, lässt sich mehr oder weniger klaglos operieren, um Blut und Knochenmark für sie zu spenden. Denn dafür wurde sie geboren. Doch Anna fragt sich, welchen Sinn ihr Leben neben dem eines Organ- und Blutspenders noch hat. Wie könnte ihr Leben und ihre Zukunft aussehen, wenn sie nicht ständig für Käte zur Verfügung stehen müsste, ihre eigene Gesundheit sogar für sie aufs Spiel setzt? Sie sucht einen Anwalt auf, der ihr helfen soll, ab sofort eigenständig über ihren Körper bestimmen zu können und ihre Weigerung durchzusetzen. Doch was werden ihre Eltern, ihr Bruder, und vor allem Kate dazu sagen...?
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Ein berührender, schockierender und gleichzeitig fesselnder Roman, der sich mutig mit einem Thema auseinandersetzt, das oftmals noch ein Tabu darstellt: Um die todkranken Kate zu retten, wird Anna als genetisch maßgeschneidertes Baby gezeugt. Als Anna alt genug ist, wehrt sie sich gegen ihre Bestimmung als menschliches Ersatzteillager. Dafür versetzt sich Jodi Picoult in die verschiedenen Personen hinein, denn jeder - sowohl Vater, Mutter, Anna, Kate, als auch ihr Anwalt kommen zu Wort . Die Eltern, die beide Kinder lieben und keinem weh tun wollen, aber nicht umhinkommen, wenn sie Anna retten wollen, Kate, deren Leben von Anna abhängt, der Anwalt, der in eine Rolle gedrängt wird, die ihm zunächst so gar nicht zusagt... Dabei nimmt die Autorin kein Blatt vor den Mund. Schonungslos lässt sie uns an den Hoffnungen, Erwartungen und auch Enttäuschungen teilhaben,. Das gelingt ihr so bildhaft, dass wir diie Gefühle jedes einzelnen nachvollziehen und mitempfinden können. Sehr gelungen umgesetzt, sodass es einem fast schon schwerfällt zu glauben, dass es sich hier nicht um eine wahre Begebenheit handelt. Aber es könnte sie geben und so bietet dieses Buch auch die Gelegenheit, sich mit diesem ethischen Thema näher auseinanderzusetzen. Ein tolles und sehr gefühlvolles Buch - das Bereithalten von Taschentüchern dringend empfohlen!

