Leser-Rezension zu „Das Herz ihrer Tochter” von Jodi Picoult
am 18.08.2010
June Nealon war eine glückliche Frau, sie hatte Mann und eine wunderbare kleine Tochter, Elizabeth. Sie war gerade mit dem zweiten Kind schwanger, als sie einem gelernten Zimmermann einen Job in ihrem Haus gab, um die Zimmer zu renovieren. Ohne zu wissen, was dies auslöst, war sie froh über die Situation.
Doch dann änderte sich alles: als June eines Abends nach Hause kommt, findet sie ihr Haus hell erleuchtet vor, umgeben von Streifen- und Krankenwagen. Shay Bourne, der Zimmermann, erschoss ihre Tochter Elizabeth, ihr Mann, Kurt Nealon, starb ebenfalls an den Folgen eines Schusses. Shay Bourne wird verurteilt und als erster Todeskandidat seit neunundsechzig Jahren in New Hampshire muss er lange auf seinen Tod warten.
Elf Jahre nach dem grausamen Mord an Kurt und Elizabeth Nealon hat Jane sich an die Situation gewöhnt, ebenso daran, dass ihre zweite Tochter, Claire, ein neues Herz braucht. Dringend. Umso erleichterter sollte sie sein, als ihr bekannt gemacht wird, dass ein Spenderherz zur Verfügung steht. Doch dies ist sie nicht, kommt das Spenderherz doch von Shay Bourne, der es der kleine Claire nach seiner Verurteilung zur Verfügung stellen will.
Dies wirft Jane vor eine moralische Entscheidung, denn niemals kann Shay Bourne das wieder gut machen, was er ihr vor elf Jahren angetan hat. Aber wer wäre sie, wenn sie es nicht annehmen würde und Claire sterben lassen würde?
Ihre Entscheidung wird dadurch erschwert, dass Claire sich weigert das Herz von dem Mörder ihrer Schwester anzunehmen.
Und nebenall diesen Entscheidungen passieren noch merkwürdige Dinge um Shay Bourne herum; ein an Aids erkrankter Häftling wird plötzlich gesund, ein Stück Kaugummi reicht für mehrere Häftlinge, ein kleiner Vogel stirbt und erwacht wieder zum Leben ...
Ich habe „Das Herz meiner Tochter“ in allererster Linie gelesen, weil ich die Autorin, Jodi Picoult, sehr gerne lese; vom Inhalt her hat mich das Buch zu Anfang nicht besonders interessiert. Doch umso mehr ich gelesen haben und je weiter ich voran gekommen bin, umso fesselnder wurde es, bis es einen gar nicht mehr los lässt.
Auch in diesem Werk der Autorin, wie schon bei „Die Wahrheit der letzten Stunde“, spielt Religion eine große Rolle. Aber auch die Frage, ob die Todesstrafe wirklich sinnvoll ist.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, warum genau, kann ich nicht sagen; es ist nicht, weil es eine Mutter-Tochter-Beziehung erzählt, nicht, weil es um die Todesstrafe geht oder viel um Religion. Eher, weil von allem ein bisschen drin vorkommt. Jodi Picoult hat eine Art zu Schreiben an sich, die den Leser unglaublich fesselt.

