Nach der Trennung von Mariah und Colin denkt sich ihre gemeinsame Tochter Faith eine imaginäre Freundin aus. Mag das für ein siebenjähriges Mädchen, das gerade ihre heile Welt verloren hat, noch durchaus normal sein, behauptet Faith – die eine durch und durch unreligiöse Erziehung genoßen hat – ihre Freundin sei Gott.
Seitdem scheint Faith über gewisse heilende Kräfte zu verfügen: Ihre Großmutter wurde bereits von drei Ärzten als tot befunden, als Faith sie zum Abschied berührt – und ihre Oma damit wieder zum Leben erweckt. Nachdem sie mit einem HIV-positivem Baby gespielt hat wird auch dieses wieder gesund. Außerdem zitiert sie plötzlich Bibelverse als seien es Kinderlieder, obwohl sie nie zu vor mit diesem Buch in Berührung kam.
Die Medien stürzen sich auf Faith, als sei sie der Messias. Gläubige und Kranke pilgern zu ihr nach Hause, um von ihr gesegnet oder berührt zu werden. Letztendlich muss ihre Mutter sie aus der Schule nehmen und sie selbst unterrichten, damit sie das Haus nicht mehr verlassen muss und wenigstens ein bisschen normal leben kann. Als Colin, Faith’ Vater, einen Bericht über sie im Fernsehen sieht, reicht er mithilfe eines renomierten Anwalts eine Sorgerechtsklage ein – und das obwohl er sich zuvor monatelang nicht um das Mädchen gekümmert hat. Faith und ihre Mutter fliehen nach Kansas City.
Zugegebener Maßen war “Die Wahrheit der letzten Stunde” kein geplanter Kauf – das Cover hat mir gefallen, der Klappentext klang ganz interessant und von Jodi Picoult habe ich bereits “Neunzehn Minuten” gelesen, was mir seinerzeits auch gut gefallen hat. Mir war beim Kauf nicht bewusst, dass es in diesem Buch um Religion geht, weil ich mir nicht die Zeit genommen habe, wenigstens kurz reinzublättern.
Als ich die Danksagung dann zu Hause gelesen habe, ist für einen kurzen Moment mein Herz stehen geblieben, denn Gott und Glaube sind Themen, mit denen ich mich außerhalb des schulischen Rahmens nie beschäftigt habe. Viel mehr habe ich sie sogar gemieden und meine Zeit damit vergeuden wollte ich schon gar nicht. Ehrlich gesagt war mir auch schon der Gedanke zuwider, für soetwas Geld ausgegeben zu haben.
Dennoch habe ich mir einen Ruck gegeben und wollte wenigstens die ersten fünfzig Seiten lesen. Ich weiß, dass Jodi Picoult meist über recht brisante und manchmal auch über Tabu-Themen schreibt und habe gehofft, dem Roman vielleicht doch etwas abzugewinnen. Im Nachhinein muss ich mir eingestehen, dass ich solche Dinge vielleicht zu verbissen sehe und sie in Zukunft doch etwas (welt-) offener betrachten sollte. Natürlich hat das Buch mich nun nicht zu einer gläubigen Katholikin gemacht oder meine Ansichten zu dieser Thematik grundlegend verändert, aber es hat mich alle Mal zum Nachdenken angeregt und das halte ich für einen ziemlich wichtigen Punkt.
Jodi Picoult beschreibt in ihrem Buch eine unglaublich innige Mutter-Kind-Beziehung, die mich sehr gerührt hat. Wie ich es schon aus “Neunzehn Minuten” kannte, folgt fast jedem Absatz ein Perspektivenwechsel – was in diesem Roman an sich unnötig ist. Der Schreibstil allerdings ist wieder gewohnt liebevoll und detailreich. Ich hatte an nur sehr wenigen Stellen das Gefühl mich zu langweilen. Leider ergibt sich mir – und wie ich auf diversen Plattformen gelesen habe, auch einigen anderen – der tiefere Sinn des Buches nicht. “Die Wahrheit der letzten Stunde” endet viel zu abrupt und an einer Stelle, an der man sich fragen muss, wozu Jodi Picoult die vorherigen 500 Seiten überhaupt geschrieben hat. Daher insgesamt ein netter, aber doch eher mäßiger Roman.